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NXP hat im Jahre 2007 das
Halbleiterwerk in Böblingen geschlossen

- Ein Bericht aus Jörgs Sicht als Betroffener-

Abbrucharbeiten bei NXP-Böblingen
sprengung des nxp-schornsteines

Worum es eigentlich geht

Im März 2007 eröffnete uns die Geschäftsleitung, dass unser Böblinger Werk wegen der ständigen Unterauslastung nicht mehr rentabel für NXP sei und in der Konsequenz zum Jahresende 2007 geschlossen werden muss. Diesen Plan hat die Konzernleitung auch zielstrebig umgesetzt. Über 400 Mitarbeiter haben den sog. 3-Seitigen Vertrag unterschrieben, dieser regelt zum einen das Ende des Beschäftigungsverhältnises bei NXP und ist zum Anderen der befristete Arbeitsvertrag mit der Transfergesellschaft bzw. "Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft" (a+b).

Bis zum Jahresende 2007 sollte noch mit Hochdruck an der Restproduktion gearbeitet werden. Derweil wurden die Produktionsstandorte Hamburg und Nijmegen fit gemacht, um unsere verbliebenen Aufträge und Prozesse zu übernehmen. Anfang September, also unmittelbar nach Ablauf der Abgabefrist für den 3-seitigen Vertrag per Aushang bekannt gemacht, dass die Produktion über das Jahresende hinaus in Böblingen fortgesetzt werden muss. Für diese 3-monatige Produktionsverlängerung haben Geschäftsleitung und Arbeitervertreter unter Berücksichtigung bestimmter sozialer Aspekte knapp 200 Mitarbeiter ausgesucht, die noch bis Ende März 2008 für NXP arbeiten durften. Die Hoffnungen der Mitarbeiter, dass es vielleicht eine weitere Verlängerung geben könnte oder dass der Konzern bemerkt, wie wichtig sein Standbein in Baden Württemberg ist oder dass sich alles nur als böser Traum herausstellt, zerplatzten am 1. April 2008, als auch der letzte Produnktionsmitarbeiter nicht mehr zur Schicht antreten musste/durfte.

Allerspätestens jetzt hätte einer "April-April" rufen sollen. Aber es wurde still in der Produktionslinie...

Im Jahr 2008 wurden die Abfindungen ausgezahlt. Auch diese richteten sich nach sozialen Aspekten, hauptsächlich aber nach dem Alter und der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Der Großteil der Belegschaft hatte sich zudem für die Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft (a+b) entschieden und bekam dadurch noch für ein Jahr die 85-prozentige Fortzahlung aus Kurzarbeitergeld plus a+b-Zuschuss. Die a+b Gesellschaft hat auch einiges getan, um uns bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber zu unterstützen und veranstaltete Seminare und Beratungsrunden.

Auf dem Gelände von NXP-Böblingen hat sich anfangs nicht viel verändert. Die Mietverträge der anderen Firmen auf dem Gelände liefen erstmal weiter. Unsere Produnktionsstätte wollte aber niemand haben. Letztlich wurde unsere "Fabrik der Zukunft" dem Erdboden gleich gemacht.
 

Letzte Böblinger (bzw. NXP-) News

September 2011:

Am 16.09.2011 ist der Schornstein auf dem NXP-Gelände gesprengt worden.

Ganz abgesehen davon, dass so eine Sprengung immer ein spektakuläres Ereignis ist, empfinden manche (so auch ich) dies als einen symbolträchtigen Vorgang.

Nicht nur dass der weithin sichtbare NXP-Schornstein gewissermassen schon ein Wahrzeichen des Gewerbegebietes Hulb war. Ich sehe darin vor allem auch den "Schlussakkord" im Lied von unserer "Fabrik der Zukunft". Ein guter Zeitpunkt, um mich nun auch selbst aus dieser Geschichte zurück zu ziehen und das Thema hier zu schließen.

Allen Ehemaligen und aktuellen NXP-Mitarbeitern und allen, die dies hier lesen wünsche ich alles Gute. Danke für alles.

Euer Jörg


März 2011:

In Hamburg-Hausbruch sieht es nun schon ähnlich aus, wie in Böblingen zuvor. Wusstet Ihr, dass Philips hier ebenfalls eine hypermoderne Megabit-Chip-Produktion aufbauen wollte? Aber daraus wurde nichts, denn der Chipmarkt lief dem Philipskonzern davon. Das frisch errichtete und 1989 eingeweihte Entwicklungsgebäude stand einige Zeit leer und wurde später von NXP genutzt. Aber der Philips-Ableger schrumpfte sich ja kürzlich erst wieder gesund, wodurch die Gebäude in Hamburg Hausbruch nun endgültig überflüssig wurden. Jetzt soll auch dort der Platz für ein Logistikunternehmen genutzt werden. Daher wird das ehemalige Entwicklungsgebäude nun abgerissen. Lest weiter bei HAN-online.


Sonderbericht: NXP-Japan

NXP-Mitarbeiter in Japan haben die Katastrophe unbeschadet überstanden.

Nach dem Erdbeben am 11.03.2011 und der darauf folgenden Überschwemmung (Tsunami) im Nordosten Japans sowie der Zerstörung eines Atomkraftwerkes entging Japan nur knapp dem Super-Supergau (hoffentlich, denn noch ist die AKW-Krise nicht überstanden). Derzeit gibt es tausende Tote und zigtausend Vermisste zu beklagen. Hunderttausende verloren ihr Zuhause in den Fluten. Das ist aber nur die Folge der Überschwemmung, denn die Anzahl der unmittelbaren Strahlenopfer des 'Fukushima'-AKW ist klein.

Quelle: Diverse Medien, insbesondere n-tv

Der Extremfall, also ein Supergau mit 3 oder gar allen 6 Reaktoren könnte je nach sonstigen Umständen ganz Japan unbewohnbar machen und ganz Asien und sogar Amerika und Europa mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft ziehen (erhöhte Krebsrate durch mittelbare oder unmittelbare Strahlenbelastung). Nach so viel verkettetem Unglück (anhaltende Erdbebengefahr, Tsunamis, AKW-Gau, wirtschaftlicher Schaden, Energiekrise, weitere AKWs an der tsunamigefährdeten Ostküste) kann man zwar nur das Beste hoffen, aber auch mit dem Allerschlimmsten rechnen...

Quelle: Meine persönliche Einschätzung

Kommen wir aber von den einleitenden Infos zur Firma NXP zurück:
NXP hat keine Produktionsstätten und keine unmittelbaren Zulieferer in Japan. Geschäftshäuser (sales-offices) von NXP befinden sich an 3 Orten in Japan, nämlich Tokyo, Osaka und Nagoya. Alle diese Orte befinden sich südlich, außerhalb der betroffenen Region. Somit kann NXP glücklicherweise berichten, dass alle NXP-Mitarbeiter die Katastrophe unbeschadet überstanden haben und in Sicherheit sind. Auch alle NXP-Mitarbeiter, die nach Japan gereist waren, sind heil wieder nach Hause gekommen.

Quelle: http://www.nxp.com/news/
 


November 2010:

Wie man der SZBZ entnimmt, gehört das NXP-Gelände jetzt einer gewissen 'Helvetic Private Investment AG' (HPI) aus der Schweiz. Diese hatte im Juni bereits einen Bauantrag für Logistikhallen nebst Büroflächen und Personalparkplätze gestellt. Die zusätzliche Verkehrsbelastung durch Lastwagen in Richtung des benachbarten Ortes Dagersheim bereiteten den Gemeinderäten noch Kopfzerbrechen. Sie hatten eigentlich einen ganz anderen Bebauungsplan vorgesehen. Angesichts dieser Nörgelei hat HPI daher vorerst den Bauantrag zurückgezogen.

Nun signalisierte der Gemeinderat aber doch grünes Licht und so werden die Abriss- und Neubauarbeiten wohl bald beginnen können. Die Baufläche für das neue Logistikzentrum umfasst das ganze NXP-Gelände einschließlich des ehemaligen Heiz-Kraftwerks - das ist das Gebäude, zu dem der bislang weithin sichtbare Schornstein gehört. Über die genaue Anordnung der neuen Gebäude gibt es zwar noch keine klare Aussage, aber das Kraftwerk wird nicht mehr benötigt und daher abgerissen.

Mit dem Schornstein wird nun also bald die letzte sichtbare Erinnerung an die ehemalige IBM-Chipfabrik und spätere SMST, Philips, NXP verschwinden. Und aus dem Böblinger Silicon Valley wird nun ein vielleicht ein bedeutender Warenumschlagplatz. Wegen der nahen Autobahn ist dies nämlich ein idealer Ort für ein Logistikzentrum. Mit einem direkten Autobahnanschluss wäre der Standort sogar genial. Im Augenblick steht das aber nicht zur Debatte - im Gegenteil: Die am Grundstück liegende Schickardstraße soll in Richtung Dagersheim möglichst nicht belastet werden. Statt dessen soll der Güterverkehr in Richtung Böblingen und dann auf die gut ausgebaute B464 geführt werden. Dazu müsste man die südliche Anbindung der Schickardstr. vielleicht noch optimieren (begradigen).


September 2010: NXP-Hamburg hält sich als letzte große NXP-Fabrik in Deutschland sehr tapfer

Die verbliebenen Arbeitsplätze bei NXP-Hamburg scheinen auf absehbare Zeit nicht gefährdet zu sein. Das scheinen wir aber gar nicht mal so sehr dem Großauftrag der deutschen Regierung zu verdanken (NXP wird die Chips für den neuen Personalausweis liefern), sondern vielmehr der guten alten Dioden- und Transistorenfertigung in Verbindung mit der ständigen Weiterentwicklung am selben Standort und einer unschlagbar niedrigen Fehlerrate. Und die wird besondes wichtig genommen, da kein Hightech-Hersteller Ärger wegen einer popligen Diode riskieren will.
Mehr darüber plus Fotostrecke über die Produktion bei NXP-Hamburg bei www.elektroniknet.de
Näheres über den neuen Ausweis bei www.ntv.de

September 2010: Der Philips-Konzern trennt sich von seinem NXP-Restanteil

Laut Presse wird mit den NXP-Aktien ein Loch in einem bitischen Philips-Pensionsfonds gestopft.
Presselinks:

November 2009 bis April 2010: Große Fortschritte bei den Abbrucharbeiten

Im November 2009 sah es aus, wie nach einer gigantischen Silan-Explosion...
NXP Böblingen Abbrucharbeiten

Ende Februar 2010: Kein Gebäude mehr - nur noch ein Trümmerfeld.
NXP Böblingen Abbrucharbeiten

April 2010: Der Rest vom Schützenfest..
NXP Böblingen Abbrucharbeiten

Asche zu Asche - Staub zu Staub ... So endet die "Fabrik der Zukunft"!
 NXP Böblingen Abbrucharbeiten


19. März 2010: Bosch hat die Chipfabrik in Reutlingen eröffnet

Wie weiter unten berichtet, hat der Bosch-Konzern seit April 2007 an einer neuen Chipfabrik in Reutlingen gebaut und diese nun fertiggestellt und in Betrieb genommen. Eigentlich haben wir alle uns gewundert, wie Bosch damit anfangen konnte, eine Chip-Fabrik zu bauen, während NXP den Glauben an unseren Standort verloren hatte und unsere Fabrik einfach dicht machte. Auch NXP-Böblingen hatte damals sehr auf die Automobilbranche gesetzt und sich auch schon für einige Produkte qualifiziert und diese hergestellt.

Bosch, der Weltmeister in Sachen Autoelektronik kann sich die angeblich viel zu hohen Gehälter der deutschen Facharbeiter und Ingenieure wohl noch leisten. Während sich das übrige Chip-Geschäft eigentlich hauptsächlich in Asien abspielt (eben wegen der niedrigen Arbeitslöhne dort). Somit unterstützt der weltgrößte Autozulieferer Bosch nach wie vor ganz tapter sein Heimatland. Vielleicht aber auch wegen der Nähe zur hochwertigen deutschen Autoindustrie und weiteren Bosch-Standorten. Und natürlich wegen der Kooperation mit der Fachhochschule Reutlingen und der Uni Stuttgart. Neben Bosch gibt es in Deutschland nur noch wenige Chip-Fabriken. Darunter Infineon (die ehemalige Halbleitersparte von Siemens) bei München-Neubiberg und NXP (ehemals Philips-Halbleiter) in Hamburg-Lokstedt.

Während damals in unserem neuen IBM-Werk in Böblingen der Altkanzler Helmut Kohl aufs Startknöpfchen drücken durfte, hatte diesmal bei Bosch in Reutlingen Bundespräsident Horst Köhler die Ehre.

Laut Presseberichten ist das neue Chipwerk - übrigens genau wie ehemals NXP-Böblingen eine 200mm-Fab - die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Bosch-Unternehmens. Trotz Wirtschaftskrise wurde in Reutlingen beinahe ungebremst weitergebaut, denn die Experten von Bosch prognostizieren einen deutlichen Anstieg des Auto-Halbleitergeschäfts, da sich der Kostenanteil der Halbleiter in modernen Autos bis zum Jahr 2020 praktisch verdoppeln wird. Neben dem Geschäft mit der Automobilbrachne erhofft sich Bosch auch steigende Gewinne mit seiner ebenfalls in Deutschland (Erfurt) ansässigen Solarsparte.

Aber was schreibe ich ... lest doch bitte mehr in den offiziellen Presseberichten:

12/2009 TI-Deutschland stockt auf

Dr. Hummel, der NXP-Böblingen leitete und den Niedergang nicht aufzuhalten vermochte, fand ein neues Betätigungsfeld bei Texas Instruments in Freising. Ob er noch immer dort beschäftigt ist und wir groß sein Beitrag zu deren Erfolg ist, kann ich nicht sagen. Anfang Dezember 2009 konnte man jedenfalls der Presse entnehmen, dass dieser Standort nun um satte 10% aufgestockt werden soll. Europachef Jean-Francois Fau hält die Fabrik in Freising für sehr flexibel und ausgesprochen effizient. Ganz offenbar hat die derzeitige Geschäftsleitung von TI-Deutschland einen richtig guten Job gemacht. Nun werden zur Abwechslung mal wieder Arbeitsplätze geschaffen. Gratuliere!

Derweil werden in Böblingen die Abbrucharbeiten fortgesetzt und unser ehemaliger Parkplatz wird sinnvoll von einer bekannten böblinger Spedition genutzt. Diese parkt hier nicht etwa seine LKWs, sondern hat Lagerhallen errichtet. Man kann sagen, dass wenn sich hier am Ort noch etwas bewegt, man es der Firma Betz verdankt.

Es ist nun 2 Jahre her, aber in der SZ BZ (Sindelfinger Zeitung, Böblinger Zeitung) liest man noch immer über die Nachwirkungen der Werksschließung. Schon letztes Jahr wurde ja über den Anstieg der Wasserpreise berichtet. Offenbar wurden die Verluste (durch den Wegfalls des Großkunden NXP) noch immer nicht ausreichend kompensiert.
Siehe Bericht in der SZ BZ über die Ammertal-Schönbuchgruppe

27. Juli 2009: Abrissarbeiten bei NXP-Böblingen

Nachdem sich niemand für das Produktionsgebäude erwärmen konnte, bleibt nur der Abriss, um wenigstens das Gelände verkaufen zu können. Leider konnten wir es nicht persönlich miterleben. Ich danke meinen ehemaligen Kollegen für Informationen und Fotos.

27. Juli Abbrucharbeiten bei NXP Böblingen haben begonnen
27. Juli Abbrucharbeiten
bei NXP Böblingen haben begonnen
27. Juli Abbrucharbeiten bei NXP Böblingen haben begonnen
27. Juli Abbrucharbeiten bei NXP Böblingen haben begonnen 

Ähnlichkeiten mit der folgenden Fotomontage sind nicht zufällig:
Heuschrecken zerstören Halbleiterfabrik in Böblingen
Allerdings entstand die obige "Karikatur" bereits kurz nachdem wir davon erfahren hatten, dass unser Werk geschlossen werden soll. Damals hat eigentlich noch niemand wirklich daran geglaubt, dass unsere Hi-Tech Schmiede mal "platt gemacht" werden würde. Aber der Ruf der Investoren war ihnen ja voraus geeilt, so dass die informierten Realisten (anfangs gern noch als Pessimisten und Schwarzmaler verschien) uns schon sehr früh ein Bild von unserem Schicksal zeichnen konnten. 


Links


Archiv

Inzwischen geschlossen:

  • www.nxp-ade.de
    Während der Schließung und kurze Zeit danach noch offizielles Forum der Ehemaligen Mitarbeiter von NXP Böblingen.
  • www.sos-böblingen-hulb.de
    Private Homepage der Tochter eines Ehemaligen Mitarbeiters als Initiative zur Erhaltung des Produktionsstandortes Böblingen

Pressemeldungen

Allen Unkenrufen zum Trotz: Bosch baute ein Nagelneues 200mm-Werk in Reutlingen

Dabei waren wir doch eben noch voller Zuversicht und Hoffnung

STP - Erinnerungen an unser Schwesterwerk in Sindelfingen


 

NXP Böblingen - unsere Geschichte

1975...1995 - I B M

Im Jahre 1975 begannen die Bauarbeiten für eine neue Produktionsstätte der IBM am Westrande Böblingens im Industriegebiet auf der Hulb. Fünf Jahre später, im Juni 1979 wurde das neue Werk eingeweiht. Damals war es das modernste, was man sich zur Herstellung von Speicherchips vorstellen konnte. Da auch HP sich hier angesiedelt hatte, sprach man auch vom "schwäbischen Silicon Valley“. So nebenbei: Vielleicht erinnern sich noch einige an den Fund eines Mammutzahnes, der während der Bauarbeiten an einem weiteren Gebäude 1983 gefunden wurde.

Der IBMer an sich (so auch ich ab Oktober 1988) war stolz, hier schaffen zu können und er lieferte sehr gute Arbeit für ebenso gutes Geld. Im Orte zog er sich schonmal neidvolle Blicke und Missgunst zu, wenn er vergaß, seinen Firmenausweis abzunehmen. Es kursierte ein Witz so in etwa der Art: Frau am Fleisch-Stand (womöglich beim Delikatess-Händler)- "Geben Sie mir ruhig das große Stück. Mein Mann schafft bei IBM". Man erkannte daran schon klar, dass es etwas besonderes war, einen Arbeitsplatz bei IBM zu haben - selbst wenn man nur ein kleiner Operator war.

Bei derart motivierten Leuten und mit ordentlich Extrakohle war es 1988 natürlich auch kein all zu großes Problem, die Kontischicht einzuführen - jenes kontinuierlich vorwärst rollende Schichtsystem, bei dem man auch an den Wochenenden und den meisten Feiertagen arbeitet, um kostspielige Produktionsstillstände zu verhindern.

1989 amüsierten wir uns über den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der im XXXXXL-Reinstraumanzug in der Produktionslinie stand und auf einen symbolischen Startknopf drückte. Damit startete er pressewirksam die Produktion des Vier-Megabit-Chips im IBM-Halbleiter-Werk Böblingen-Hulb. Das Werk galt auch 10 Jahre nach seiner Eröffnung noch immer als eines der modernsten der Welt! Schon zu dieser Zeit hatte ich aber das Gefühl, also ob sich die IBM nicht um das Geschäft mit den immer stärker aufkommenden Personal Computern kümmerte. Die IBM-PCs setzten zwar den Standard für Computersysteme,.aber draußen in den Läden konnte man IBM-kompatible PCs kaufen, die waren vielleicht nicht ganz so robust, aber dafür viel günstiger, besser ausgestattet und leistungsstärker. Sogar das Betriebssystem "DOS" lies die IBM sich aus der Hand nehmen.
 

1995...1999 - SMST

Wenige Jahre danach verpennte "Big Blue" die Umstellung bei uns auf die nächste Chip-Generation, den 16-Megabit-Chip, was zu herben Absatzeinbrüchen führte. Der Standort war in Gefahr und konnte nur durch ein Joint Venture gerettet werden. Anfang 1995 verkaufte IBM 51 Prozent unserer Fabrik an Philips. Wir nannten uns fortan "Submicron Semiconductor Technologies GmbH" (SMST).

Aber nicht nur uns verkaufte die IBM, sondern auch unser Schwesterwerk in Sindelfingen. Oder besser gesagt: "verraten und verkauft". Denn die Sindelfinger wurden an das Familienunternehmen Mayer & Cie., einem Hersteller von Rundstrickmaschinen verkauft und stellten unter dem Namen STP Leiterplatten her. Aber nicht sehr lange. Nach einer ausgedehnten Kurzarbeitsphase wegen der schlechten Auftragslage in Folge allgemeiner Schwierigkeiten im IT-Segment machte der Strickmaschinenhersteller das Werk im Jahre 2002 schließlich dicht.

Doch wieder zurück zu uns:
Erst viel zu spät, nämlich 1997 begann unsere IBM-Hälfte mit der Produktion von 16-Megabit-Chips, während die Konkurrenz schon längst bei 64 Megabits angekommen war. Klar, dass wir damit keine bedeutenden Gewinne mehr machen konnten. Das sah sogar ich als kleiner Operator. Unsere Philips-Hälfte stellte derweil unsere Produktion zügig auf Logik-Chips um.
 

1999...2006 - PHILIPS

Im Jahre 1999 verkaufte die IBM ihre Anteile komplett an Philips. Der Ausstieg der IBM aus der SMST wurde begleitet von "Umstrukturierung" und Abbau von Arbeitsplätzen. Betriebsrat und IG-Metall erreichen nach monatelangen Auseinandersetzungen einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Die Zahl der Kündigungen konnte lediglich verringert werden, aber viele Kolleginnen und Kollegen mussten die Firma verlassen. Das ging zum Teil über Aufhebungsverträge und durch den Wegfall der befristeten Arbeitsverträge, die nicht verlängert wurden. Manche wirklich guten Arbeitskräfte - junge motivierte Mitarbeiter - bekammen einen Arschtritt statt des verdienten Festvertrages. Von 710 Arbeitsplätzen blieben 590 übrig. Außerdem verloren wir einen Großteil unserer Sonderzulage für Feiertage und Wochenenden. Damals gab es hohe Verluste, aber es lies sich noch etwas retten, indem wir uns wehrten. Ich erinnere mich noch an den Protestmarsch von der Kantine zu Tor 1, wo die Presse auf uns wartete.

Als das überstanden war schafften wir wieder mit vollem Einsatz (150%) weiter und machten dem neuen Namen "Philips Semiconductors Böblingen" (PSB) alle Ehre. Das änderte sich auch nicht, als uns der Philips-Konzern zur Jahreswende 2004/2005 mal wieder die schlimme Marktsituation in Deutschland vor Augen führte und eine 25%ige Lohnsenkung verlangte. Betriebsrat und IG-Metall erkämpften für uns in Böblingen einen Kompromiss. Wir bekamen die Zusage, dass es 3 Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, dafür verpflichteten wir uns für diesen Zeitraum zur Erbringung von 350 zusätzlichen Arbeitsstunden ohne Lohnausgleich und nahmen die Kürzung unseres Weihnachstgeldes hin.
 

2006...2008 - N X P

Am 1. September 2006 trennte sich der Philips-Konzern von seiner Halbleitersparte und gründete einen eigenständigen Halbleiterkonzern. Dieser wurde verkauft an ein Investorenkonsortium. Der neue Konzern heißt "NXP" (Next Experience) und gehört jetzt zu 80,1% den Investoren Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), Bain Capital, Silver Lake Partners, Apax und AlpInvest Partners NV. Philips blieb mit 19,9% an NXP beteiligt.

Keiner hatte den Verdacht, dass durch den erneuten Namenswechsel unser Standort in Gefahr sein könnte. Wir kannten das ja schon. Der Name ändert sich, ggf. wird "umstrukturiert" und das Leben geht weiter. Und diesmal gab es ja gar keine Umstrukturierungsmaßnahmen. Unser Tarifvertrag von 2005 wurde unverändert übernommen Der Wechsel ging also ganz ruhig und gesittet - quasi im Hintergrund - von statten.

Der NXP Konzern ist weltweit in 20 Ländern vertreten und beschäftigt über 37000 Mitarbeiter. In Europa ist NXP der zweitgrößte Halbleiterhersteller. NXP-Deutschland war zum Stand 2006/2007 mit 3300 Leuten die zweitgrößte Tochter gleich nach Holland, dem Heimatland von Philips und NXP. Die allgemein schwierige Marktsituation (im Vergleich zu Asien sind wir sowieso viel zu teuer) sollte dadurch ausgeglichen werden, dass wir in Deutschland uns besonders auf Halbleiter für die Automobilindustrie konzentrieren. Auch unsere kleine Chipfabrik hier in Böblingen hat sich dafür bestens qualifiziert und auch schon mit der Produktion begonnen. Leider wächst der Bedarf aber nicht so schnell. Das wusste die Geschäftsleitung auch. Aber jetzt geht es dem Gesamtkonzern wohl doch nicht schnell genug. Außerdem hat die NXP sich entschlossen, Produkte aus dem Programm zu nehmen, mit denen wir uns eigentlich über Wasser halten wollten, bis wir (u.a.) von den Auto-Chips leben konnten. - So ein Zufall aber auch: Ausgerechnet jetzt, wo bald unser Tarifvertrag und die damit verbundene Arbeitsplatzgarantie ausläuft, sind wir nur noch zu unter 40% ausgelastet und schreiben natürlich tiefrote Zahlen.

Bei uns ging es jedenfalls weiter wie folgt:

Meldung vom 26.02.07

"TSMC will buy eight-inch wafer processing equipment from NXP's plant in Boeblingen, Germany".

"Nee, nur ein böses Gerücht", winkte unsere Geschäftsleitung ab. Michael Hummel wusste angeblich von nichts und schrieb eine Anfrage an Ajit Manocha. Der antwortete: "I will be meeting Rick Tsai in Taipei on Saturday and will raise big hell on such rumors like NXP is selling its 8" wafer fabs to TSMC. We have had no such discussion with TSMC and or anyone to sell our fabs or fab equipment. Please let your people know that someone is speculating these kind of things and we will investigate the source as well as challenge TSMC on this."

Also behauptete man hartnäckig, dass dies nicht stimmt. Klar doch, weil man sich nämlich entschlossen hat, das Zeug nach Hamburg und Nijmegen zu verfrachten und den Standort Böblingen zu schließen, aber die Mitarbeiter sollten das möglichst spät erfahren, damit sie bis zuletzt noch ihr Bestes geben.

Für uns stand kurz darauf jedenfalls fest:

22.03.07 - Die Katze ist aus dem Sack

Am 22. März fand dann eine große Betriebsversammlung statt. Herr Dr. Hummel (Geschäftsführung) hielt uns eine lange Rede mit kurzem, aber heftigem Sinn: Die geplante Verbesserung der mangelhaften Auslastungssituation ist gescheitert. Seit 2 Jahren schreibt der Standort Böblingen hohe Verluste. Die Geschäftsführung sieht sich trotz größter Bemühungen nicht im Stande, diese Situation in Zukunft zu verbessern. Somit hat das NXP-Management entschieden, den Standort Böblingen zum 31.12.2007 zu schließen.

Dr. Hummel und Dr. Kuckhermann betonten, dass dafür nicht unsere Performance oder die Mitarbeiter verantwortlich sind. Beteuerten aber auch, dass das Management alles erdenkliche getan hätte und waren sich keiner Schuld bewusst. Aus unserer Sicht müssen sie sich aber den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Belegschaft, den Betriebsrat und auch die Gewerkschaft IG Metall ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt haben, obwohl es im Tarifvertrag einen Passus gibt, nach dem sie die Gewerkschaft rechtzeitig bei aufkommenden Schwierigkeiten zu informieren haben. Und dann war es so gedacht, dass man gemeinsam überlegt, wie man den Schwierigkeiten begegnen kann. Außerdem haben wir hier in Böblingen etwas, was kein anderer NXP-Standort in Deutschland bisher vorweisen konnte: Eine 3-Jährige Arbeitsplatzgarantie. Diese läuft zum Ende des Jahres 2007 aus. Erst dann darf die Kündigung ausgesprochen werden. Und erst dann dürfen die Kündigungsfristen anlaufen.

Es war strittig, ob dieses unrühmliche Ende unserer kleinen Chipfabrik wirklich nicht abwendbar war und ob der Fehler oder sogar eine Absicht nicht doch bei unserem (höheren) Management zu suchen war. Man wurde aber den Verdacht nicht los, dass unser 3-jähriger Ergänzungstarifvertrag schon damals als fester Termin für die Werksschließung angesehen wurde und man entsprechend darauf hin gearbeitet hatte. Man könnte meinen, dass wir systematisch aufs Abstellgleis manövriert worden sind, in dem man uns die Auslaufmodelle produzieren ließ, ohne sich wirklich um ein lohnendes Nachfolgeprodukt für uns zu kümmern. Statt dessen wurden wir kaputt gespart, bis wir mit halber Besatzung nur noch die halbe Auslastung hatten und natürlich wäre es jetzt notwendig, einige Millionen zu investieren, um neue Produkte einzuführen und neue Leute zu rekrutieren, damit der Schornstein wieder raucht. Mit Unterstützung des Gesamtkonzerns hätte man das auch geschafft. Aber offensichtlich hatten unsere Inverstoren ganz andere Pläne.

Das hiesige Management fühlte sich außer Stande, unser Schicksal von Seiten NXP zu ändern. Das kann man denen sogar glauben; kam doch der Vollzugsbefehl von "ganz oben". Unser Mutterkonzern, der fette Gewinne einbrachte und Schlagzeilen machte mit den tollen neuen Chips, die kürzlich von NXP entwickelt wurden. hatte uns längst abgeschrieben.

Pressemitteilung des Betriebsrates:
Böblingen, 23.3.2007

 

Mit Wut und Empörung haben die Kolleginnen und Kollegen gestern die Mitteilung des Managements von NXP aufgenommen, das Werk in Böblingen zum 31.12.2007 schließen zu wollen. Über die tariflichen Vereinbarungen von NXP und der IG Metall hat sich das Management unter Federführung von Herrn Dr. Kuckhermann kaltschnäuzig hinweggesetzt. Damit wird 550 Familien die Existenzgrundlage entzogen. Dazu kommen noch mindestens 100 weitere Arbeitsplätze bei Dienstleistern und Lieferanten. Dieses Vorgehen ist menschenverachtend.
Die Erklärung des Managements für die geplante Schließung des Werkes stellt die Realitäten auf den Kopf. Das Werk kann 200mm Wafer verarbeiten, ist höchst produktiv und effizient. Bei der Gegenüberstellung von normierten Vergleichswerten schneidet Böblingen sehr gut ab. Die Belegschaft ist höchst flexibel und sehr gut qualifiziert. Das Einzige was fehlt, sind Produkte, die NXP in Böblingen produzieren lassen will. Dafür zu sorgen ist die ureigenste Aufgabe des Managements. Dazu war das Management aber nicht in der Lage, es hat kläglich versagt! Anders als beim Sport – wo bei Misserfolg in der Regel der Trainer gefeuert wird – sollen nun die Beschäftigten die Folgen eines unfähigen oder überforderten Managements ausbaden.
Wir gehen davon aus, dass der gestern verkündete Beschluss des Managements nicht so kurzfristig entstanden ist, wie vorgegeben wird. Vielmehr ist davon auszugehen, dass bereits zu der Zeit, als NXP noch die Halbleitersparte des Philips-Konzerns war, diese Entscheidung vorbereitet war. Nur wollte sich Philips offensichtlich nicht mehr die „Hände schmutzig“ machen und hat die Umsetzung den Käufern unter Führung des KKR Finanzinvestors überlassen. Deren Ziel ist es immer, die gekauften Unternehmen zu „verschlanken“ und damit die Profite zu steigern, um dann das Unternehmen nach relativ kurzer Frist (ca. 3 bis 5 Jahre) Gewinn bringend weiter zu verkaufen. Philips behält dadurch formal eine weiße Weste. Es gibt mehrere Beispiele für ein solches Vorgehen von Philips, zuletzt im vergangenen Jahr in Aachen. BenQ lässt grüßen.
Das wird sich die Belegschaft nicht gefallen lassen. In enger Zusammenarbeit mit der IG Metall werden wir alles daran setzen, diesen Standort zu retten und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Wie und in welcher Form das geschehen kann, das ist Aufgabe der nächsten Wochen und Monate.

April 2007 - Der Kampf um unsere Arbeitsplätze

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG-Metall kämpften nun für uns um den Erhalt der Arbeitsplätze und wollen die Schließung verhindern. Da sich weder unsere Geschäftsleitung noch die Herren weit weg in Nijmegen von uns überzeugen ließen, suchen wir auch Hilfe in der Öffentlichkeit. So nutzten wir insbesondere die Hulb-Open (28./29. Mai) mit 2 Info-Ständen und natürlich die Mai-Kundgebung am 1. Mai (mit großem Demo-Zug vom Arbeitsamt zur Stadtmitte Böblingens), um die Leute auf uns aufmerksam zu machen. In der Belegschaft war man sich einig darüber, dass man sich (zumindest) nicht mit einer Hand voll Euros abfinden lassen will, zumal die meisten Kollegen wohl auf Grund ihres hohen Alters keine Chance mehr haben, anderswo einen (gleichwertigen) Arbeitsplatz zu bekommen.

Dass diese schlechte Nachricht nicht spurlos an der allgemeinen Arbeitsmoral vorüberging, dürfte jeder wohl verstehen. Dummerweise häuften sich auch noch die Probleme mit den Anlagen und es wird wohl auch verständlich sein, dass so mancher menschlicher Organismus dem Stress einfach nicht mehr stand hielt und die Krankheitsrate daher anstieg. Die Notwendigkeit von häufigen Info-Runden und eine mehrfach unterbrochene und wieder aufgenommene Betriebsversammlung tat ihr übriges dazu, dass die Produktivität sich sehr in Grenzen hielt. Um weiteren Schaden abzuwenden, folgen wir der Empfehlung unserer Arbeitnehmervertreter und arbeiteten besonders penibel, um für unsere Kunden wenigstens den hohen Qualitätsstandard zu erhalten.

Immer wieder luden wir Politiker verschiedener Parteien ein, sich unsere Fabrik mal näher anzusehen.Einige davon erklärten sich mit uns solidarisch. Unser Ministerpräsident hingegen war überhaupt keine Hilfe. Er setzte darauf, "dass der leistungsfähige IT-Standort Baden-Württemberg den freigesetzten Mitarbeitern alternative Beschäftigungsangebote bieten könne..."  Aber was die großen Sorglosen unseres Landes ja immer übersehen, das ist die große Menge derer, die nicht zu den sogenannten "qualifizierten" Fachkräften gehören. Ingenieure und hochqualifizierte Techniker werden natürlich immer gesucht. Aber die Produktionsarbeiter (Operator und auch Teamleiter), welche nun schon Jahre aus ihrem Lehrberuf heraus sind, können ihren Facharbeiterbrief getrost ins Altpapier geben. Sie werden auf dem Arbeitsmarkt quasi wie ungelernte gehandelt und bekommen allenfalls einen wesentlich schlechter bezahlten Job als "Produktionshelfer" und das sicher auch nur noch über eine Zeitarbeitsfirma.
 

April/Mai 2007 - 4,1% mehr Lohn für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie

img1.gifWährend es bei uns "ums nackte Überleben" ging, durfte die Gewerkschaft natürlich auch ein weiteres wichtiges Ziel nicht aus den Augen verlieren. Denn man kennt das Schema ja bereits: Erst werden Arbeitsplätze abgebaut, weil es der Firma angeblich nicht so gut geht und man bei den Lohnkosten sparen muss, dann werden plötzlich Rekordgewinne gemeldet. Die Erfahrung hat ja nun deutlich gezeigt, dass keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn man der Firma entgegen kommt. Im Gegenteil! Und das wird bei unserem eigenen Konzern nicht anders sein. Daher haben auch wir uns am Kampf für eine angemessene Lohn/Gehaltserhöhung beteiligt. So nahmen wir z.B. am 2. Mai 2007 am Warnstreik zur Tarifrunde bei unseren Daimlerkollegen teil . Da wir selbst hier im Betrieb nicht streiken durften, machten wir das in unserer Freizeit, bzw. nahmen uns offiziell frei.

Das Ergebnis am 4. Mai: 400 Euro Einmalzahlung. 4,1 Prozent mehr Lohn an Juni 2007 und eine weitere kleine Erhöhung im nächsten Jahr. Das Weihnachtsgeld blieb so wie im vorigen Jahr.

Mehr darüber:

Mai 2007 - Intensive (verzweifelte) Suche nach Alternativen zur Werksschließung

In Gesprächen und Workshops wurde intensiv nach Möglichkeiten gesucht, das Ende hinauszuschieben und die Produktion ggf. auch ohne NXP fortzusetzen. Die Beteiligung der Geschaftsführung wirkte recht positiv, so dass für kurze Zeit Hoffnung aufkam, dass es vielleicht doch noch eine Zukunft mit NXP über den 31.12.2007 hinaus geben könnte. Zumindest für eine begrenzte Zeit, denn die Geschäftsleitung ließ ja von Anfang an überhaupt keinen Zweifel daran, dass ein Fortbestand unseres Standortes seitens NXP ausgeschlossen sei. Daher wurde nun auch überlegt, ob unsere Fabrik in absehbarer Zeit als eigenständiges Unternehmen weiterbestehen könnte.

Pfingsten (Ende Mai) 2007 - Schwierige Verhandlungen um die Endlösung

In der Woche vor Pfingsten (21. bis 25. Mai) fanden intensive Gespräche zwischen Geschäftsleitung und Arbeitervertretern statt. Die Geschäftsleitung drängte auf eine schnelle Lösung. Als es am Ende um konkrete Summen ging, musste Dr. Kuckhermann feststellen, dass seine Verhandlungskompetenzen nicht ausreichten. Er machte nach Rückfrage bei der NXP-Führungsspitze in Holland ein letztes ultimatives Angebot. Die Arbeitervertreter winken aber ab, da das Angebot immernoch weit unter der Mindestforderung von durchschnittlich 100.000 Euro pro Mitarbeiter lag. Somit kam es zu keiner Einigung - die Verhandlungen wurden für gescheitert erklärt!

Was nun? - Für einige Kollegen wurde die Spannung an diesem langen Pfingst-Wochenende nun unerträglich. Die pure Existenzangst führte zu seltsamen Reaktionen, denn manche befürchteten, dass man den Bogen überspannt haben könnte und NXP den Laden einfacht dicht macht, "weil die Erreichung der bis Jahresende gesetzten Ziele mit dieser Mannschaft nicht mehr abzusehen wäre und hohe Verluste daher nur durch eine sofortige Schließung abgewendet werden könnten"... Wie immer sich das rechtlich auch auswirken würde, das wäre ein Schreckens-Szenario für alle, deren einzige Hoffnung eigentlich in der Fortsetzung des Produktionsbetriebes (über den 31.12. hinaus) lag.

Am Mittwoch, 30.05.2007 kam dann die "erlösende" Nachricht: "Die Verhandlungen werden am Dienstag gleich nach Pfingsten noch einmal aufgenommen". Eine Werksschließung war zwar nicht abwendbar, aber Volker Kuckhermann, dessen wohlverdienter Pfingsturlaub sich durch die zähen Verhandlungen verschoben hatte, legte noch einmal kräftig was drauf, so dass die Vertreter der Arbeitnehmer nicht mehr 'nein' sagen können/wollen. Als ginge es um die Ehre, fehlte zwar noch immer ein kleiner Betrag bis zur Mindestforderung, aber an einem Tausender pro Kopf (rund eine halbe Million für NXP) wollte man es nicht mehr scheitern lassen, zumal alle anderen Rahmenbedingungen akzeptabel waren. So wurde also ein Papier unterzeichnet, das die Eckpunkte der Sozialregelung für die Schließung von NXP Böblingen besiegelte.
 

Juni 2007 - Klärung der Details

In den Wochen darauf wurden die Datails geklärt und die nötigen Unterschriften geleistet. Ende Juni 2007 fanden Informationsrunden und Betriebsversammlungen statt, um die Mitarbeiter über folgende vereinbarten Eckpunkte zu informieren:

  • Keine betriebsbedingten Kündigungen vor 1.1.2008
  • Eine im Großen und Ganzen akzeptable Summe für Abfindungen
  • Zusätzlich 2-Stufiger "Bonus" auf die Abfindung bei Erreichen bestimmter Produktionsziele
  • die Abfindungshöhe unterscheidet sich nicht bei Aufhebungsverträgen, Wechsel in eine Transfergesellschaft oder betriebsbedingter Kündigung
  • Für Mitarbeiter ab dem 55. Lebensjahr gibt es an Stelle der Abfindung ein Vorruhestandsangebot.
  • Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft (TQG) mit Qualifizierungsmöglichkeiten bis zu 24 Monate
  • Volle Auszahlung der Tariferhöhung inklusive € 400,- Einmalzahlung.
     

Ganz nebenbei fand auch noch die Aufsichtsratswahl der NXP-Deutschland statt

Hier sollten wir jeweils einen leitenden Angestellten, 2 Gewerkschaftsmitglieder, und eine Arbeitnehmer-Liste wählen. Die Wahlen fanden auf einem Online-Formular statt. Zu diesem Zwecke wurde der Internetzugriff auf vielen PCs in der Fertigung komplett freigeschaltet. "Einsendeschluss" war der 25.06.07. Über die Wahlbeteiligung habe ich leider nie etwas erfahren. Sehr hoch war sie wohl nicht....

Im Anschluss daran blieben die PCs (mit einigen Unterbrechungen) weiterhin für das Internet freigeschaltet. So hatten alle Mitarbeiter die Möglichkeit, sich im Internet nach einem neuen Arbeitsplatz umzuschauen oder sich in externen Quellen über NXP zu informieren. Beispielsweise dass Philips sich von seinem Restanteil an NXP trennen will.


Juli 2007 - Dr. Michael Hummel verlässt NXP

Im Gästebuch meldete sich gegen Ende Mai eine Stimme aus Freising. Weiteres liest man im ZD-Net. Demnach sollte unser Herr Dr. Hummel seinen Dienst bei Texas Instruments antreten. Von der NXP-Seite hörte man zunächst nichts. Doch dann erschien ein Aushang, der den Austritt des Herrn Hummel aus der Firma NXP bestätigte. Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff...
 

Juli...September 2007 - Abfindung oder neuer Job in Hamburg

Bezüglich der Abfindungssummen für jeden Einzelnen herrscht nun ein gewisser Unmut bei den jüngeren Mitarbeitern, da die Formel mehrfach aus altersabhängigen Faktoren zusammengesetzt ist. Damit soll berücksichtigt werden, dass die älteren Mitarbeiter schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und daher eine möglichst hohe Summe benötigen, damit das Geld für eine lange Arbeitssuche oder gar bis zur Rente reicht. Jüngere Mitarbeiter erhalten dagegen allenfalls ein finanzielles Trostpflaster. Sie müssen sich entsprechend zügig einen neuen Job suchen. Das sollte wohl allgemein verständlich sein. Dennoch hat so mancher sich mehr erhofft. Man kann es den jüngeren Mitarbeitern, die ja wie die Alten einen prima Job gemacht haben, nicht verdenken, wenn sie mit ihrem "Anteil an der Beute" nicht so zufrieden sind. Es steht uns aber frei, auf die Abfindung zu verzichten und uns auf einen Job in Hamburg zu bewerben. Auch die NXP-Standorte in Österreich suchen noch Leute. Allerdings gibt es in Wien oder in Gratkorn bei Graz keine Fabrik - allenfalls eine Denkfabrik. Und auch die Stellenausschreibungen von Hamburg berücksichtigen zunächst mal keine Operator. Gesucht wird nach qualifizierten Arbeitskräften, also nach Technikern und Ingenieuren. Aber trotzdem soll auch für die Produktionsarbeiter gesorgt werden. Sie dürfen sich in Hamburg bewerben und bekommen dann ein Angebot.
 

August 2007 - 3-seitiger Vertrag

Der 3-seitige Vertrag hat in der Tat 3 Blätter. Aber das ist nicht der Grund, weshalb er so heißt. Es geht vielmehr um die 3 Seiten von denen er unterzeichnet werden muss:

  1. Firma NXP
    Sie hebt den Arbeitsvertrag des Mitarbeiters auf und erfüllt die nötigen Bedingungen, damit der Mitarbeiter in die Transfergesellschaft überwechseln kann.
  2. Der Mitarbeiter. Er willigt in die Aufhebung seines bisherigen Arbeitsverhältnisses bei NXP ein und unterzeichnet einen neuen Arbeitsvertrag bei a+b.
  3. Die a+b Ausbildungs und Beschäftigungsgesellschaft mbH in Freiburg: Sie übernimmt den Mitarbeiter in ein befristetes Arbeitsverhältnis bei "Kurzarbeit Null".

Das hat folgende Konsequenzen: Wir beenden unser bisheriges Arbeitsverhältnis bei der Firma NXP (Aufhebungsvertrag) und begründen mit Wirkung zum 01.01.2008 ein eindeutig bis zum 31.12.2008 befristetes Arbeitsverhältnis bei der Firma a+b Ausbildungs und Beschäftigungsgesellschaft mbH in Freiburg. Dort machen wir Kurzarbeit Null (Stunden) und bekommen demnach Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit. Dieses wird von der a+b aufgestockt, so dass wir ca. 85% unseres bisherigen Nettoentgeltes herausbekommen, sowie 1500,- Euro Urlaubsgeld im Juni und ein halbes Monatsgehalt Weihnachtsgeld im November. Als Gegenleistung verpflichten wir uns durch unsere Unterschrift, dass wir uns bei der Agentur für Arbeit unverzüglich arbeitssuchend melden (das wird bis spätestens Ende September zentral in der Firma erledigt) und dem Arbeitsmarkt voll zu Verfügung stehen. Außerdem müssen wir an allen Maßnahmen mitwirken, die der Möglichkeit der Vermittlung in ein neues Arbeitsverhältnis dienlich sind. Typische Beispiele für solche Maßnahmen sind Weiterbildungsangebote oder ein Probearbeitsverhältnis, sowie natürlich auch die endgültige Vermittlung in einen neuen Job. Wobei wir aber (innerhalb der Jahresfrist) die Möglichkeit haben, in den Schoss der a+b zurückzufallen, falls der neue Job nicht klappt.

Der Aufhebungsvertrag mit NXP ist endgültig und verliert seine Gültigkeit ausdrücklich auch dann nicht, wenn sich die betrieblichen Umstände nach Abschluss des Vertrages ändern (NXP sich also z.B. ganz plötzlich und unerwartet entscheiden sollte, den Betrieb doch noch nicht zu schließen). Eine Rückkehr zu NXP ist prinzipiell ausgeschlossen, kann aber unter Umständen einmalig in Betracht kommen und wäre dann auf einen befristeten Zeitraum von maximal 3 Monaten begrenzt.
 

September 2007 Auslaufproduktion 2008

Seit Anfang September (also unmittelbar nach Ablauf der Abgabefrist für den 3-seitigen Vertrag) wissen wir durch einen Aushang, dass die Geschäftsleitung einen Prozess über das Jahresende hinaus in Böblingen fortzusetzen will (muss). Es handelt sich dabei um das Produkt für einen Automobilhersteller. Geplant sind 3 Monate Produktionsverlängerung nur für diesen einen Prozess, so dass ca. 200 Mitarbeiter noch bis Ende März benötigt werden.

1. Oktober 2007 - NXP-Independence Day

Das Leben muss ja weitergehen. Während wir uns leider auf das nahende Ende vorbereiten müssen, feiert die restliche NXP-Welt das einjährige erfolgreiche Bestehen als unabhängiges Unternehmen. Die Kollegen in Hamburg verbinden das mit der Eröffnung ihrer neuen Kantine in Lokstedt, wo sie am 1. Oktober 2007 ihren "NXP Unabhängigkeitstag" zelebrieren.
 

17. Dezember 2007 - Letzte Betriebsversammlung

Um die Produktionsziele zu erreichen, wurde eine Belohnung (Erhöhung der Abfindung) von 3000 Euro ausgelobt. Bis zu weitere 3000 Euro wurden versprochen, wenn wir ein weiteres, deutlich höheres Ziel erreichen würden. Kurz vor Weihnachten stand fest, dass wir dem zweiten Ziel sehr nahe kommen würden und in Anerkennung unserer Leistungen wurde der volle Bonus auf jeden Fall ausgezahlt. Wir sind zeitweise in Arbeit ersoffen!. Ich frage mich wirklich, wo das Material plötzlich herkam. Sollte unsere Fabrik nicht wegen der permanenten Unterauslastung geschlossen werden???

Aber wen würden die Standardthemen einer Betriebsversammlung jetzt wohl noch interessieren? Diese Betriebsversammlung lief daher etwas anders ab. Eigentlich war es mehr so etwas wie eine kleine Abschlussfeier.

Das Jahr geht halt wie geplant zu Ende. Man verabschiedet sich und wünscht sich gegenseitig alles Gute für die Zukunft. Fast vergisst man darüber, sich auch schöne Weihnachten und einen guten Rutsch zu wünschen. Einige Leute realisieren erst jetzt - während sie sich dieser Tage für immer verabschieden - dass sie ihren gewohnten Platz in der Gesellschaft nie mehr wiedersehen werden. Immerhin war der Arbeitsplatz für uns ja ein nennenswerter Teil unseres Lebens. Im Gegensatz zum Mutterkonzern dachten wir ja nicht jeden Tag nur ans Geld, sondern wir efüllten täglich unsere Pflicht und waren hier im Kreise unserer Kollegen irgendwie "zu Hause". Hier waren wir nicht nur finanziell abgesichert, sondern fühlten uns auch rein vom menschlichen her geborgen.

Mit dem neuen Jahr beginnt für uns alle ein völlig neuer Lebensabschnitt. Einige werden diesen Moment, dieses Gefühl noch für ein paar Monate hinauszögern, weil sie noch drei weitere Monate für NXP-Böblingen arbeiten werden. Aber "aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Definitiv würde zum 31. März der Betrieb endgültig geschlossen werden. Aber einige gaben zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung ja noch nicht auf.
 

Januar bis Ende März 2008 - Die Auslaufproduktion

Wie im September angekündigt, haben noch rund 200 Mitarbeiter eine Verlängerung von 3 Monaten bekommen und arbeiteten an der Restproduktion eines Chips, dessen Herstellung an einem anderen Standort noch nicht möglich war. Die Aufhebungsverträge dieser Mitarbeiter wurden entsprechend abgeändert. Die Hoffnung, dass es vielleicht eine weitere Verlängerung geben könnte oder dass der Konzern sich vielleicht sogar komplett besinnt, zerplatzte spätestens am 1. April 2008, als niemand mehr zur Schicht antreten musste/durfte. Allerspätestens jetzt hätte einer "April-April" rufen sollen. Aber statt dessen wurde es sehr still in der Produktionslinie...
 

September 2008: Die Nächste Erfahrung

Ja, in Böblingen ist es still geworden. Die Stille nach dem Sturm..
Aber "nach dem Sturm" ist bekanntlich auch immer "vor dem nächsten Sturm"...

Wie man der Presse entnimmt, werden im Zuge einer weltweiten 'Umstrukturierung' 4 Werke geschlossen (darunter auch Fishkill) und insgesamt 4500 Arbeitsplätze gestrichen. In Hamburg werden voraussichtlich 850 von 2500 Arbeitsplätzen bis 2010 einer Teilschließung zum Opfer fallen, davon 640 in der Produktion

Mehr dazu siehe Letzte Meldungen und Infos (Presse-Links)
und im Forum der Hamburger Kollegen: filipsworld.5.forumer.com
 

Juni 2009: Die Wirtschaftskrise rüttelt an Grundpfeilern der NXP

Wie man der FAZ entnimmt, rächt sich nun die Tatsache, dass die Übernahme durch die Investoren von der NXP selbst finanziert werden muss und nicht etwa durch die Investoren oder durch den ehemaligen Gründer Philips. Nun wachsen die Schulden dem NXP-Konzern wortwörtlich über den Kopf. Gegenmaßnahme: "Umschuldung". Weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen!

Kurz zuvor kam das Gerücht auf, dass der noch härter von Verlusten gebeutelte Konzern Infineon vielleicht mit NXP zusammen einen Weg ais der Krise finden könnte. Dem entgegen steht allerdings, dass auch NXP zu stark im "teuren Europa" engagiert ist.

Ein Käufer für die gesamte Chip-Produktion am Standort Böblingen-Hulb hatte sich ja leider nicht gefunden. Es interessierte sich auch kaum jemand für den größtenteils veralteten Toolpark. Was nicht verkauft werden konnte, wurde kurzerhand verschrottet. Auch das inzwischen leere Gebäude scheint nun wohl niemand haben zu wollen.

 

Juli-September 2009: NXP Böblingen wird abgerissen

Ohne Worte:

Abbrucharbeiten bei NXP Böblingen 


Schlusswort

Danksagung an die Leiharbeiter, Schüler, Studenten

Zum Ende des Jahres 2007 übertrafen wir in Böblingen noch einmal die kühnsten Hoffnungen der Geschäftsleitung. Das hat uns letztlich zwar nicht gerettet, aber dadurch kam so viel Geld in die NXP-Kasse, dass man über eine anständige Abfindung und einen brauchbaren Sozialplan verhandeln konnte.

Das konnten wir nicht ganz allein schaffen. Ein Trupp von Leiharbeitern unterstützte uns nach Kräften.
Herzlichen Dank dafür und alles Gute für Eure Zukunft.
 

Humor ist wenn man trotzdem lacht

Schwerer Autounfall auf der A8 nähe Stuttgart. Drei Männer sofort tot.
Sie stehen nun gemeinsam vor der Himmelspforte. Petrus - heute ziemlich schlecht gelaunt - öffnet die Tür und sagt: "Ich habe heute wenig Zeit, drum machen wir es kurz. Sagt mir Euren Namen und Beruf."

Mann Nummer eins stellt sich also vor: "Getatten, Häberle. Ich habe erstklassige Gebrauchtfahrzeuge verkauft. - Petrus langt kurzerhand zu einem Hebel an der Wand. Zieht daran und schupps... eine Falltüre öffnet sich und Häberle wird direkt in die Hölle befördert.

Soweit unbeeindruckt tritt der zweite Mann hervor: "Maier - ich arbeite für die GEZ. Lassen Sie mich bitte eintreten." Ein böses Funkeln kommt daraufhin in die Augen von Petrus. Und er greift zu dem Hebel...

Total eingeschüchtert stellt sich nun der dritte Mann vor. Petrus ist voll sauer und hat bereits die Hand am Hebel. "Äh, ich heiße Krause und habe in der Halbleiterfertigung geschafft.", sagt der Mann und der Schweiß steht ihm auf der Stirn - aber diesmal ist es der pure Angstschweiß. Petrus hakt nach: "Wo hast Du geschafft?" - "Bei NXP in Böblingen", entfährt es dem Manne und er macht sich auf das schlimmste gefasst. Aber plötzlich hellt sich das Gesicht von Petrus auf: "Du, mein Sohn kommst in den Himmel. Die Hölle hast du ja schon hinter dir".

Zum Schluss noch etwas lehrreiches zum Mitnehmen:

Ein Vogel flog nach Süden um dort zu überwintern. Aber er war zu spät dran und es war schon sehr kalt. Darum musste er auf einer Wiese zwischenlanden. Ein Rindvieh kam des Weges und schiss einen Riesenhaufen direkt auf den kleinen Vogel. Der Vogel lag nun in der Scheiße, aber er spürte wie ihm warm wurde und fühlte sich recht wohl. Da begann er zu singen. Das hörte eine Katze und sie zog den Vogel aus der Scheiße, um ihn aufzufressen. Allerdings schmeckte ihr der kleine Stinker nicht und so ließ sie ihn entkommen.

Der Vogel war so stark geschwächt, dass er seinen Flug nicht fortsetzen konnte. Und da sonst niemand in der Nähe war, sprach er den Bullen an, der ihm auf den Kopf geschissen hatte. "Ich würde gerne wieder ganz nach oben kommen, aber mir fehlt die Energie." Der Bulle riet ihm "Warum isst du nicht ein wenig von meinem Dung? Er ist voller Nährstoffe."

Also ruhte sich der Vogel ein wenig aus und während er sich daran erwärmte, pickte er ein wenig von dem Kuhfladen. Und tatsächlich - nach ein paar Tagen hatte er wieder genügend Kraft und erhob sich hoch in die Lüfte.

Dummerweise war der Bauer grade auf Krähenjagt und schoss den Vogel wieder vom Himmel.

Was lernen wir nun daraus?

1. Nicht jeder der Dich bescheißt ist Dein persönlicher Feind.
2. Wer in der Scheiße steckt, sollte den Schnabel halten.
3. Nicht jeder der Dich aus der Scheiße holt, ist Dein Freund.
4. Stinker sind nicht sehr beliebt.
5. Mit Bullshit kommst Du nach oben, aber nicht für immer.

 


Gästebucheinträge zum Thema NXP

Dies ist nur der NXP-betreffende Ausschnitt aus dem Gästebuch dieser Homepage.

01.12.2011 - 15:08 Uhr

Alexander aus Herrenberg

 

Nicht nur das geb. 35 (Kälteanlage, Kläranlage, und Trafostation sowie Leitstelle) war voller Hightech, sonder auch der Rest der Gebäude. Ich hatte das Ende genau so mitbekommen wie viele andere Mitarbeiter von NXP, und sehe eine grauenvolle Zukunft auf unsere Halbleiterindustrie in Deutschland zukommen. Mit der Beendigung der Halbleiterfertigung auf der Hulb, wurde ein weiteres Kapitel der Nanotechnologie in Baden-Württemberg geschlossen. Nichts wird mehr so werden, wie es einst war.


29.11.2011 - 18:04 Uhr

Berni aus Stuggi

 

Ich arbeite momentan in/an der neuen Halle auf dem NXP Gelände und kann nicht verstehen, wie man so ein Werk plattmachen konnte. Irgendwann haben wir garnichts mehr in Deutschland. Wenn man sieht, was da an allerbester Bausubstanz und Technik in den Container wandert könnte man schreien. Armes Deutschland. Hier ist Arbeit nichts mehr wert. Was war denn das Gebäude mit dem Kamin? Nur Heizhaus. Das ist ja enorm, was da an Technik drinsteckt (und geschrettert wird).

16.09.2011 - 13:10 Uhr

Jean-Marie aus Böblingen

 

Homepage: www.jmwill.de

Hallo,
zu Eurer Info: Heute um 12h ist der Schornstein auf dem NXP/SMST/... Gelände gesprengt worden.

Gruß von einem ehemaligen "Untermieter" auf dem Gelände
Jean-Marie


13.11.2010 - 21:00 Uhr

Andy Bollfraß aus Calw

 

http://schaffellteppichshop.dei

ch war auch bei IBM,Philips und letztendlich bei NXP. Bin wieder untergekommen und versuche gerade parallel frühere Ebayverkaufsaktivitäten hier regional zu etablieren. Wenn es okay ist für Euch würde ich einen Banneraustausch vorschlagen. Alles Gute für Euch und wer ein schönes echtes Schaffell braucht ist bei uns im Schaffellteppichshop.de genau richtig.

Liebe Grüße Andy


21.04.2010 - 16:53 Uhr Bernd Trenkle aus Norwegen

 

Hallo Jörg,
nach längerer Zeit und derzeit einem beruflichen Aufenthalt
in Stavanger, Norwegen, bin ich mal wieder auf deine Seite gestossen.
Als langjähriger Mitarbeiter (Sicherheitsingenieur) bei IBM, Philips und NXP hat mir mal wieder das Herz geblutet als ich die Endzeit-Bilder unseres einst so fortschrittlichen Halbleiter-Werks gesehen habe.
Gruß
Bernd Trenkle

16.01.2010 - 1:29 Uhr Leiher Since 2004 aus Hamburg

 

Hallo Familie Wischnewski,

Glückwunsch zu der gelungenen Website.
Und ein Moin Moin aus NXP HAMBURG / Lok.

P.s. Ja NOCH gibt es uns

12.10.2008 - 20:57 Uhr Michael Barges aus Wurmberg

 

Hallo Wischi,

habe mit Entsetzten die Fakten zum Untergang einer rentablen Produktion gelesen. Selbst habe ich vom Januar 1988 bis Sommer 1992 in der High-Tech Halbleiter-Schmiede gearbeitet. Erst ging es mit regulaeren Schichten los, spaeter war eine Teilnahme an Konti unumgaenglich, war auch hilfreich bei der Konvertierung von Temp zu IBM'er. Die Technische Zeitreise von Perkin-Ellmer, ueber GCA Stepper hin zu Nikon NSR, spaeter im Cluster, war eine Erfahrung wert. Waere nett mal etwas von dir zu hoeren. Dir und deiner Familie alles Gute, vor allem Glueck und Gesundheit. Bin zur Zeit in Aegypten taetig. Gruesse aus Kairo, vom Michael.

24.01.2008 - 16:09 Uhr Martin Hafner aus Ebersbach/Fils

 

Hallo Familie Wischnewski, hatte eure wunderschöne Homepage schon mehrmals angesehen. Good Job! Schade, dass das mit der Hulb so tragisch endet. Habe über 30 Jahre in diesem Werk gearbeitet. Wünsche euch für die Zukunft alles Gute!

Herzliche Grüße
Martin

P.S.: Philips hat offensichtlich den Kuckhermann-Link gelöscht oder verändert (Die Katze ist aus dem Sack).

25.10.2007 - 16:48 Uhr Joachim Kolb aus Azmoos

 

Hallo Jörg,
war gerade zufällig am Surfen im Internet und dachte mir, schaust mal nach dem letzten Stand bei NXP und den alten Kollegen. So bin ich zufällig auf Eure super HP gestossen. Bin noch so halbwegs informiert durch verschiedene Kontakte. Ja traurige Sache, wie das jetzt so ausgegangen ist bei Euch. Die gleiche Geschichte hab ich ja vor ziemlich genau 3 Jahren durchgemacht und bin aus Frust damals mit der ganzen Familie in die Schweiz ausgewandert. Heute muss ich sagen...War das ein Glück...die ganze Familie fühlt sich pudelwohl, ich hab einen super Job bekommen und alle sind zufrieden. Was ich damit sagen will. In jeder Veränderung liegt wieder eine neu Chance und auch bei Euch wirds weitergehen. Also keep on fighting...
by the way ..hier in Sargans wird eine Chipfabrik gebaut mit 500 Arbeitsstellen im Endausbau. Ziemlich abgespacte Sache. ...Mitten im Berg..Die Idee find ich super.

viele Grüsse an den Rest der NXP Manschaft  Joachim   

22.08.2007 - 1:57 Uhr Pepe aus Freising

 

Heute hat sich der Herr Hummel das erste mal bei uns Mitarbeitern aus der FAB vorgestellt.MUss sagen das man einen guten Eindruck bekommt wenn man ihn sieht und anhoert.Das einzige was wir hoeren wollen das unser 12std Schcihtmodel mit Tag und Nacht und kaum frei abgeschafft wird, leider konnte er uns keine genaue INFO geben. einer unserer Mitarbeiter hat ihn gefragt ob man mit ihm drueber reden kann ohne das er gleich abblockt so wie unsere anderen Manager die alle denken sie seien was besseres und wir nur "Scheibenschieber" ( Aussage unsere operation Managerin H..Wilken) Wuerde gerne wissen ob sich der Herr Hummel bei euch auch so Vorgestellt hat und den Eindruckt erweckt etwas zu veraendern.denn ganz ehrlich wenn wir im zdnet Infos lesen und sehen ihn dann vor uns stehen, sehen ist das wie 2 komplett verschiedene Menschen. Wir hoffen das er uns alle wieder am leben teilnehmen laesst und uns ein anderes Schichtmodel vorlegt. alles nur nicht das.12std keine erholung zwischendurch, tag nacht 6-18 und 18-6h nur ein Wochenende frei und auch nur 8 std bezahlt rest geht auf ein konto.LOL. bitte um INFO.....

21.08.2007 - 22:39 Uhr TI ohne Ethik

 

hallo zusammen, wir arbeiten seit 2006 ein schichtmodel bei Texas Instr. in Freising das mit Ethik nichts zu tun hat, keine Freunde mehr Frau und Kinder beschweren sich und der Herr Hummel hat sich uns vorgestellt, macht ein richtig guten eintrug aber das war bei euch doch acuh so oder????? reden kann er hat bestimmt ohne ende Training dafuer bekommen, bin mal gespannt ob er das was er uns verspricht und wie er angeblich sein soll auch haelt. Bei uns ist ein riesen Problem das alle jetztigen die was zu sagen haben aus einer Garde oder Abteilung kommen und sich schon eh und je die jobs und macht zugeschoben haben, STASI ist kindergarten gegen unsere modul oder anderen Manager.Riester Wilken schachtner Schroeter wie so alle heissen/..... Soll die entlassen oder mal so was arbeiten lassen wie wir. Alles was uns gegenueber gesagt wird ist leuge und schoenrederrei. Ihr tut mir auch leid.
Pepe kenne ich und so wie wir denken denken alle, wir sind nur noch Sklaven unseres Lohnes. Freizeit leben oder was man schoenes am leben haben kann alles dinge die wir nciht kennen.3 tage frueh 48std frei 4 tage nacht 2 tage frei 4 tage frueh 48std frei dann wieder 3 tage nacht usw.alle 3 wochen mal ein Wochenende frei.und zwischen den freien tagen muessen wir nach der arbeit und acuh noch vor der arbeit mal schlafen also seht, freizeit ohne ende, ein scheiss garnicht.
bitte um info was und wie der herr hummel sich bei euchg vorgestellt hat.!!!!und was da so abging. Hoffen alle sehnsuechtig das der herr was aendert wie es sich auch anhoert er ist unsere einzige hoffnung. hoffe wir sind nciht verlassen.

28.05.2007 - 09:40 Uhr Jörg

 

Hallo,
ich danke für die Info aus Freising und bitte um Entschuldigung dafür, dass ich einige Folgebeiträge zu diesem Thema hier nicht veröffentliche. Dies hier ist nur ein Gästebuch und kein Forum.

Bitte meldet Euch vorzugsweise bei unserem offiziellen gemeinsamen Forum von NXP Hamburg und Böblingen filipsworld an und schreibt dort unter der Rubrik "Schließung des Standortes Böblingen".

Oder verwendet das Offene Forum unter www.netzwerkit.de/projekte/philips. Dort könnt Ihr ohne vorherige Anmeldung schreiben.

Bitte um Verständnis, dass ich hier kein Diskussionsforum anbieten kann.
Gruß  //  Jörg

28.05.2007 - 03:07 Uhr operator-nxp aus Böblingen

 

Hallo Pepe
super Info von Dir.Also dann seit Ihr ja gewarnt. Eine frühere Aussage von unserem Dr. Hummel war: keinen Job länger als 2 Jahre zu machen! Er hat im Jahr 2005 bei uns die Werksleitung  übernommen und jetzt haben wir 2007.

25.05.2007 - 19:36 Uhr Pepe aus Freising

 

Intern haben wir heute gehoert das euer Herr Hummel, zu uns als FAB chef kommen wird. also zu TEXAS INSTRUMENTS.

05.04.2007 - 11:41 Uhr Gernot Aichele aus Grafenau

 

Hallo Herr Wischnewski,
Gratulation zu Ihrer hervorragenden WEB Page und Ihrer objektiven Berichterstattung. Als ehemaliger IBM Mitarbeiter (TAE Manager) verfolge ich die Entwicklung mit großer Bestürzung; nicht in den schlimmsten Träumen hätte ich mir dies vorstellen können. Das überaus Fatale daran ist, dass ein "Mitarbeiter" aus den eigenen Reihen diese Abwicklung durchführt, Aachen war damals weit weg !
Auch der Beitrag von Herrn Hummel zum Flugfeld ist bezeichnend: viel blauer Dunst um Nichts, so war's schon immer - aber die Powerpoint Präsentation absolut super. Viel Kraft und Ausdauer wünscht Ihnen und der gesamten Belegschaft
G.Aichele

02.04.2007 - 23:35 Uhr Webmaster Filipsworld aus Hamburg

 

[Homepage]

Hallo Jörg,

ich betreue seit Beginn des Tarifkonfikts das Forum der Hamburger Kollegen. Die Nachricht von der Schließung unserer "Schwesterfabrik" hat natürlich erstmal alle geschockt, kam aber nicht überraschend. Die schlechte Auslastung eurer Fabrik war auch in Hamburg allgemein bekannt und es wurde schon seit geraumer Zeit darüber spekuliert wie lange das noch so weitergeht. Die Pläne zur Abwicklung von Böblingen liegen sicher schon seit langem in den Schubladen und wurden von NXP gleich mitgekauft. Ich persöhnlich denke man hat euch bewusst "ausgehungert". In Hamburg hat sich nach der ersten Aufregung die Lage wieder beruhigt und das übliche "Mir ist nichts passiert,  also mach ich weiter wie bisher" ist eingekehrt. Der Mensch ist halt vergesslich. Ich hoffe ihr stellt noch was auf die Beine um euren Fall in die Öffentlichkeit zu bringen. Die "Hamburger" werden euch unterstützen.

Ich wünsche dir, deiner Familie und den Böblinger Kollegen alles Gute und drück euch beide Daumen für die Zukunft.

Mit solidarischem Gruß

Webmaster Filipsworld

02.04.2007 - 10:41 Uhr Manfred aus Norderstedt

 

[Homepage]

Hallo Jörg und Familie,
Bei der Suche nach Informationen über NXP Böblingen bin ich auf Deine Homepage gekommen, die mir sehr gut gefällt. Nachdem ich selbst 31 Jahre bei Philips in Hamburg tätig war, hat mich die Information über die Schließung von NXP  Böblingen schon überrascht. So möchte ich Dir und Deiner Familie nur alles Gute für eine gesicherte Zukunft wünschen.
Viele Grüße von Manfred aus Norderstedt

29.03.2007 - 22:44 Uhr Marcus aus Tübingen

 

Hi Wischi,
tolle Seite, was man so alles findet wenn man nach NXP googelt;-)
Früher waren es nur Wasserschlachten, da hatte man noch Spass auf der Hulb...aber jetzt kann man nur von einer Schlammschlacht reden.
Gruß an alle CMPler
Marcus

27.03.2007 - 15:37 Uhr Walz aus Gärtringen

 

Hallo,
habe auf der Suche nach Neuigkeiten bei NXP diese HP gefunden. Mein Mann gehört selber zu den Betroffenen. Er ist seit 30 Jahren dabei und wird im Sommer 51 Jahre alt.
Unser Haus ist auch noch nicht abbezahlt. Es kommen rosige Zeiten auf uns zu. Er hat schon letztes Jahr nach dem Verkauf an die "Heuschrecken" gesagt, er sei gespannt,wie lange es auf der Hulb noch weitergeht. Jetzt weiß er es.

Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Laßt den Kopf nicht hängen. (Wir versuchen es zumindest).

23.03.2007 - 19:47 Uhr Ingo aus Kleve

 

Hallo,
war gestern morgen sehr erschrocken das Boeblingen geschlossen wird. Habe viel mit euch zusammengearbeitet.
Wünsche dir alles gute. Bin selber letztes Jahr Opfer von BL Display Driver in Zürich geworden, wo Herr Hummel auch Chef war. Ich frage mich ob er als er bei euch angetreten ist alles schon wusste und nur als Aufräumer gedient hat.  Aber ich kann dir sagen, das es die ersten Monate wohl schwierig ist, aber über kurz oder lang findet man einen neuen Job und die Welt ist in Ordnung. Kopf nicht hängen lassen.   Alles Gute

21.03.2007 - 15:11 Uhr Erwin Mächtl aus Grafenau

 

Hallo Jörg, ich bin durch Zufall auf deine HP gestoßen. Wollte bei Google mal schauen was es Neues über NXP gibt.
Man hört und liest ja die tollsten Geschichten. Klasse HP zwar nichts aufregendes aber viel interessantes und echt toll gemacht. Alles Gute für die Zukunft wünscht dein ehemaliger SL  Erwin Mächtl

Die obigen Einträge sind nur der NXP betreffende Ausschitt aus dem Gästebuch unserer Familien-Homepage. Klicke auf den Link "Zum Gästebuch", um alle Gästebucheinträge anzuschauen, oder benutze den Button "Eintrag schreiben".