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Magstadt - Geschichte
1100 -1525
Städtegründung im Mittelalter, Die Grafschaft Württemberg
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Ersten schriftlichen Aufzeichnungen um 1100 zufolge gehörte das damalige "Magistat" den Markgrafen von Hildrizhausen. Auch der Name eines Adelsgeschlechts "Bebelingen" erschien um 1100 zum ersten Male. In jener Zeit siedelten sich in der Nähe auch die recht wohlhabenden "Chorherren" an, eine Gruppe weltgeistliche, deren Lebensführung nicht so streng geregelt war, wie die der Mönche. Sie erbauten eine romanische Kirche, welche den Mittelpunkt ihres Stiftes bilden sollte. Magstadt ging später an die Pfalzgrafen von Tübingen, welche im Jahre 1240 auch erstmals auf einer Burg Böblingen erwähnt wurden. Die Stadt Böblingen wurde um 1250 von eben jenem Pfalzgrafen gegründeten. Auch Sindelfingen wurde 1263 unmittelbar südlich des Chorherrenstifts von Graf Rudolf von Tübingen gegründet. In diesen Zeiten wechselten die Ortschaften hier recht häufig den Besitzer. So wurde Böblingen mal an den Schwäbischen Bund, dann wieder an die Habsburger und schließlich zu den Württembergern verkauft, verschenkt, zurückerobert... Auch in Magstadt fassten die Grafen von Württemberg Fuß, als Eberhard I. (1265-1325, genannt der Erlauchte) im Jahre 1308 die Grafschaft Tübingen-Asperg erwarb. Das im Jahre 1263 von Graf Rudolf von Tübingen gegründete Sindelfingen wurde 1351 von den württembergischen Grafenbrüdern Eberhard II. und Ulrich IV. (den Söhnen von Eberhard I.) erworben. Böblingen folgte 1357.
 So in etwa kann Böblingen um 1300 herum ausgesehen haben.
Dazu muß man wissen, dass die Grafen von Württemberg sich alle Mühe gaben, ihr Gebiet zu erweitern. Sie kauften soweit das Geld reichte und soweit die Gesetze es zuließen Besitzungen, Ortschaften oder ganze Grafschaften auf. So folgten unter vielen anderen auch noch Nagold (1363), Tuttlingen (1377), Herrenberg (1382). Das Geld stammte zu einem bedeutenden Anteil von Wegezöllen und großer Sparsamkeit (auf Kosten der Bauern selbstverständlich).
1477 verlegten Graf Eberhard und seine Mutter Mechthild das Sindelfinger Chorherrenstift nach Tübingen. Das brachte Geld für weitere Erwerbungen in die württembergische Kasse. Die Grafschaft Württemberg wuchs und gedieh und wurde schließlich zum Herzogtum. Zu guter letzt führte Herzog Ulrich in Württemberg die Reformation ein und gelangte so auch noch in den Besitz der somit aufgehobenen Klöster. Anderes Kirchengut wurde als der gemeine Kirchenkasten der staatlichen Hoheit unterstellt.
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Es war die Zeit, zu der Martin Luther der katholischen Kirche den Kampf angesagt hatte. Dies war eine Kirche, die den Bauern und Bürgern hohe Gebühren abverlangte. Und auch der Adel sah in den Bauern nichts als Leibeigene, die man ganz nach Belieben ausbeuten und misshandeln konnte.
Im ganzen Lande kam es zu Aufständen gegen die Ausbeuter. Die Bauern forderten die Abschaffung von Willkür und Leibeigenschaft. Und durch mehr oder weniger friedliche Maßnahmen (ganz wie man das heute auch von Demos und Streiks kennt) versuchten die Bauern ihre Forderungen durchzusetzen.
Der Aufstand in unserer Region wurde bekannt als der schwäbisch-fränkische Bauernkrieg. Es begann in den Jahren 1518 bis 1524 als die Bauern im Schwarzwald und in Oberschwaben durch lokale Aufstände auf sich aufmerksam machten. Sie verweigerten ihren Abteien und Landgrafen die Leistungen, wie Frondienste, Leibeigenschaftsgebühren und den "Zehnten". Teils durch Hinhalte-Verhandlungen, teils durch brutale Folter wurden sie aber immer wieder zum Schweigen gebracht.
1524 verweigerten die Stühlinger Bauern die Abgaben an den Landgrafen und rotteten sich erstmals zu größeren Haufen zusammen. Sie zogen nach Waldshut und verbündeten sich mit Bürgern dort zu einer evangelischen Brüderschaft. Zweck des Bundes: Die Abschaffung der Feudalherrschaft und aller Herren, Schlösser und Klöster außer dem Kaiser. Die Fahne des Bundes war die deutsche Trikolore in schwarz-rot-gold.
Dem oberschwäbischen Adel, dessen sämtliche Truppen sich zu dieser Zeit im Kriege gegen Franz den 1. von Frankreich in Italien befanden, blieb nichts anderes übrig, als auf die Bauern einzugehen und sie mit endlosen Verhandlungen hinzuhalten, während sie klammheimlich weitere Soldaten zur Abwehr anwarben. Dies war aber nicht so einfach, denn dazu mussten sie erst Geld sammeln. Die Bauern zogen indes weiter und wuchsen zu einem 3500 Mann starken Haufen an. Also ließen sich die Adeligen herab und versprachen, sich an einen Vertrag zu halten, der vom Stockacher Landgericht bewilligt werden sollte und der den Bauern zu Stühlingen u.a. die Abschaffung der Fronden und Schutz vor willkürlichen Verhaftungen zusicherte.
Und als die Bauern alle wieder heim gegangen waren forderte der Adel alles wieder ein, denn noch habe das Gericht ja nicht entschieden! Aber da es nun Winter wurde, ruhten die Waffen.
Am 16. April 1525 (unser Wohnort Magstadt hatte zu der Zeit gerade mal 500 Einwohner) versammelten sich ein paar hundert Widerständler aus dem Bottwartal am Berge Wunnenstein. Sie hatten den Wirt und Bottwarer Ratsherren Matern Feuerbach zum Hauptmann gewählt. Dieser führte sie am 18. April auf einen Protestmarsch neckarabwärts nach Lauffen, dann auf der anderen Seite wieder flußaufwärts bis Besigheim und Bietigheim.
Nach 6 Tagen, in denen sich ihnen immer mehr Bauern und Bürger anschlossen, erreichten sie Vaihingen an der Enz. 8000 Mann zählte der verwegene Haufen, als man sich entschloss, nach der Hauptstadt Stuttgart zu ziehen. Die Regierung flüchtete aus der Stadt, als sie davon erfuhr. Am 25. April zogen die Aufständischen in Stuttgart ein.
Drei Tage später ging es weiter. Sie zogen in östlicher Richtung ins Remstal, dann über den Schurwald ins Filstal und nach Kirchheim, wo sie wieder für drei Tage ausharrten. Dann sollte es weitergehen nach Tübingen. Doch man hörte vom Herannahen des Bundesheeres, worauf die Bauern zunächst lieber nach Norden zurückwichen bis Degerloch. Dann ging es in Richtung südwest, nach Böblingen, wo sich dem Neckartäler Haufen auch die Schwarzwälder anschlossen. Und gemeinsam wurde am 9. Mai dann Herrenberg gestürmt.
Vor dem herannahenden kaiserlichen Bundesheer unter der Führung von Truchseß Georg mussten die Bauern aber wieder zurückweichen. Also zogen sie nach Sindelfingen. Am 12. Mai, bei Böblingen, nach gut 190 km Fußmarsch hatten sie eine Stärke von über 12000 Mann erreicht. So stellten sie sich dem Bundesheer zur Schlacht.
Doch mangels Kampferfahrung und wegen der schlechteren Bewaffnung wurden sie vernichtend geschlagen. Wer nicht getötet wurde, der wurde von einem harten Strafgericht verurteilt. So eingeschüchtert nahmen die Bauern Abstand von kriegerischen Auseinandersetzungen. Damit war die "Ordnung" in und um Stuttgart wieder hergestellt.
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Als unser verschlafenes Nestchen Magstadt im Jahre 1634 über 800 Einwohner zählte, wurde es ebenfalls vom 30-jährigen Krieg erfasst. Nach der siegreichen Schlacht von Nördlingen im September 1634 bezog das kaiserliche Heer südlich von Stuttgart ihr Winterquartier. Von dort aus wurde das ganze Land von protestantischen Truppen gesäubert und in Besitz genommen.
1637 quartierten sich Truppen der Liga (unter Werth) bei Stuttgart ein. 1638 zogen protestantische Truppen (unter Rosen und Taubadel) von Horb über Tübingen nach Stuttgart und von dort wieder zurück über Böblingen Richtung Freiburg.
So war der Krieg zwischen 1639 und 1647 in unserem Raum sehr intensiv. Truppen der Liga, der Franzosen und der Union zogen kreuz und quer durch das Land. Immer wieder kam es zu Gefechten. Aber die Gegner waren einfach zu erschöpft, um einen kriegsentscheidenden Schlag führen zu können. Also bezogen die Truppen immer wieder Quartier um zu verschnaufen, was da heißt, die Truppen ernährten sich mehr schlecht als recht aus dem Lande und hinterließen so Elend, Tod und Verwüstung.
1645 bereitete Rosen den großen französischen Angriff mit einem Aufklärungsstoß vor, der ihn über Freudenstadt und Calw bis nach Leonberg brachte. Der Hauptangriff Turennes erfolgte Ende März 1645 über Speyer, Pforzheim nach Osten. Die katholischen Truppen unter Mercy waren nördlich und östlich von Stuttgart konzentriert. Turenne wurde von Mercy nach Osten gelockt und dann am 5. 5. 1645 bei Herbsthausen geschlagen. Darauf zog Turenne nach Hessen ab.
1646 und 1647 gab es keine kaiserlichen und bayerischen Truppen mehr auf dem heute baden-württembergischen Boden. Der süddeutsche Kriegsschauplatz verlagerte sich nach Bayern. Turenne vereinigt sich aber mit den Schweden (unter Wrangel). Auf ihrem Zug durch Württemberg leisteten die schwach besetzten Orte und Städte keinen Widerstand mehr. Die Ende 1646 von Turenne und Wrangel bezogenen Winterquartiere zwischen Reutlingen und dem Bodensee belasten das Land sehr schwer.

Im Oktober 1648 wurde Weil der Stadt durch französische Truppen (unter dem Duc de Varenne) derart beschossen, dass die Stadt komplett ausbrannte. Die Bevölkerung des Herzogtums Württemberg sank von 444 825 im Jahre 1622 auf schlappe 97 258 im Jahre 1643. In den darauf folgenden Jahren stieg die Bevölkerungszahl nur sehr mühsam wieder an. Im Jahre 1652 waren es immerhin wieder 166 014 Menschen. In manchen Gebieten hatte dieser Krieg bis zu 60% der Bevölkerung dahingerafft. Immer wieder wurden die Städte und die gesamte Umgebung Opfer von Hungersnöten, Gewalttaten, Besatzung und Plünderung.
Die Einwohnerzahl von Magstadt halbierte sich bis 1655. Die Bevölkerung vermochte sich zunächst nicht vom Kriege zu erholen. Eine herzogliche Kommission protokollierte 1728 die totale Verwahrlosung von Gebäuden und Menschen in Böblingen.
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Nach dem Tod seines Vaters am 23. Dezember 1797 Friedrich II. regierender Herzog von Württemberg. Im Mai 1803 wurde
Herzog Friedrich II. zum Kurfürsten erhoben. Er erhielt große Gebiete und fasste sie in einem eigenen Staat "Neuwürttemberg" zusammen. Die Ackerbürgerstadt Böblingen zählte zu dieser Zeit rund 2000 Einwohner.
Friedrich regierte neo-absolutistisch. Er zerschlug die Macht der Landstände. Seine Sommerresidenz in Ludwigsburg ließ er im Empire-Stil umbauen. Württemberg wurde auch in die napoleonischen Kriege hinein gezogen und musste Soldaten stellen. Kaiser Napoleon
kam höchstpersönlich nach Ludwigsburg, um mit Friedrich zu verhandeln
Am 1.
Januar 1806 ernannte Kaiser Napoleon Kurfürst Friedrich zum König von Württemberg. Erneut kamen große Gebiete zum Land. Damit wurde die Fläche annähernd doppelt so groß wie vor 1803. Neben dem protestantischen
"Altwürttemberg" zählten nun auch große katholische Gebiete zum dem frisch gebackenen Königreich.
König Friedrich I. strebte die Gleichberechtigung beider Konfessionen an. Das
gesamte Land wurde vereinigt und die Verwaltung durchgreifend reorganisiert. Rund 12000 württembergische Soldaten mussten im russischen Feldzug von 1812 kämpften. Nur einige Hundert von ihnen kehrten wieder zurück. 1814 wechselte König Friedrich die Front. Nun beteiligte sich
Württemberg an den Kämpfen gegen Napoleon.
Der 19. Jahrhundert begann auch mit schlimmen Missernten und mit einer Krise. Am 30. Oktober 1816
starb König Friedrich. Aber alles in allem ging es trotzdem aufwärts. Böblingen wurde restauriert, der Stadtgraben zugeschüttet, und die Mauern, Türme und Tore wurden abgetragen, damit die Stadt wachsen konnte. Erste Fabriken entstanden. 1811 gründete der Chemiker und Apotheker Josef Gottlieb Bonz einen chemischen Betrieb.
Zu den ältesten heimischen Unternehmen zählen auch Brauereien (Dinkelacker gegründet 1823), Druckereien und Ziegeleien.
Für den Kreis Böblingen hatte in den folgenden Jahrzehnten die Textilindustrie eine starke Bedeutung; so gab es im Jahre 1850 in Sindelfingen 437 Weber und 477 andere Handwerker, wobei aber alle diese Handwerker als Nebenerwerb Landwirtschaft betrieben.
Sindelfingen stellte im vorigen Jahrhundert ein Zentrum der württembergischen Handweberei dar. (Seide, Korsetten, Jacquard-Weberei). Ende des 19. Jahrhunderts entstanden größere mechanische Webereien, von denen zwei noch immer bestehen.
Der Höhenunterschied zum Neckartal bei Stuttgart stellte zu dieser Zeit ein Verkehrshindernis dar und wirkte sich somit hemmend auf die Industrialisierung aus. Auch der Mangel an geeigneter Energie wirkte sich negativ aus. Die in Böblingen 1856 gegründete Zuckerfabrik mußte sich z.B. mit Torf behelfen.
1879 wurde endlich ein Bahnanschluß geschaffen, der den rationellen Transport von Kohle erlaubte. Damals freuten sich ca. 4000 Böblinger über ihre erste Eisenbahn, die auf ihrer Jungfernfahrt von Stuttgart in Richtung Westen am Bahnhof Böblingen Station machte.
Auch Magstadt, das bis ins 19. Jahrhundert überwiegend von der Landwirtschaft lebte, wurde von der Industrialisierung erfaßt. Die Einwohnerzahl stieg sprunghaft auf über 2 000 an.
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1900 - 1940
1. WK, 2.WK
3. Reich
Wirtschafts-
aufschwung
Der Daimler lockt
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Während des ersten Weltkrieges wurde eine weitere Bahnlinie gebaut, die Böblingen über Magstadt mit Renningen verband. 1915 landeten die ersten Flugzeuge auf dem Militärflughafen der Garnisonsstadt Böblingen. Und auf der Sindelfinger Seite des Flugplatzes entstand die Daimler-Motorengesellschaft, die zunächst Flugzeugmotoren und Flugzeuge produzierte. Ab 1925 fand auch ziviler Flugverkehr in Böblingen statt.
Im Kreise siedelten sich immer mehr Zulieferer für die Daimler-Werke an. Die 1910 in Berlin gegründete deutsche Hollerith Maschinenbaugesellschaft mbH (Dehomag) beteiligte sich gegen Ende der Inflation an der Optima Maschinenfabrik in Sindelfingen. 1927 begann dort die Produktion von Geräten der Datenverarbeitung. 1936 erfolgte die Verlegung der Lochkartendruckerei von Berlin nach Sindelfingen.
Böblingen wurde 1938 erster ziviler Landesflughafen Württembergs mit internationalen Verbindungen. Zwei weitere Kasernen verstärkten die Garnisonsstadt nicht nur hinsichtlich militärischer Belange, sondern auch bezüglich der Einwohnerzahl, welche auf 12000 anstsieg.
Es ging der Stadt wirtschaftlich gut. Die Daimler-Fabrik bot Arbeit für viele Neuankömmlinge. Auch Magstadt profitierte gleichermaßen von der eigenen Industrie wie auch von der benachbarten Großindustrie. Die Landwirtschaft spielte seither keine so große Rolle mehr. Magstadt wandelte sich in eine Wohn- und Industriegemeinde.
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1943 - 1945
Schwere Verluste am Ende des 2. WK
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Während des Dritten Reiches wurde auch die Industrie im Kreis Böblingen in die Rüstungswirtschaft eingebunden. Der Flughafen wurde militärisch genutzt und das Daimler-Werk produzierte Flugzeugmotoren. Und als sich der zweite Weltkrieg dem Ende näherte und Deutschland von den alliierten Bombern für die Entnazifizierung vorbereitet wurde, war auch unsere Region ein wichtiges Ziel und wurde reichlich bedacht. In einer einzigen Nacht, vom 7. auf den 8. Oktober 1943, wurde Böblingen weitgehend in Schutt und Asche gelegt. Das Schloß, die Stadtkirche, das Rathaus: nichts entging dem Bombenhagel. Auch das Ortszentrum Magstadts wurde zerstört. Dies war wohl die größte Heimsuchung in der 700jährigen Geschichte unserer kleinen Städte.
Im April 1945 hatte die 1. französische Armee unter dem Oberbefehl von General Jean Joseph Marie de Lattre de Tassigny Freudenstadt erreicht. Aus dem Raum Freudenstadt - Horb trat das 1. und aus dem Gebiet Pforzheim - Vaihingen das 2. Armeekorps zum Angriff auf Stuttgart an. Beide schlossen das hier aufgestellte 64. deutsche Armeekorps ( mit der 16.,47. und 716. Volksgrenadier- division ) ein und vernichteten es. Nur geringfügige Reste der deutschen Truppen konnten über den Neckar entkommen.
Im Verlauf der Kämpfe wurde am 21. April 1945 Deckenpfronn fast völlig niedergebrannt. Die Chronik berichtet: Fünf Tage lang dauerte der Kampf um die Dörfer im Gäu. In der Nacht schien der Ort von deutschen Soldaten geräumt worden zu sein. Allerdings befand sich auf dem Kirchtum immer noch die Ari-Beobachtung, die man für SS-Leute hielt. So traute sich niemand auf dem Turm die weiße Flagge zu hissen. Um 7.30 Uhr tauchten 14 feindliche Jagdbomber auf. Beim dritten Anflug stürzten sie sich auf das Dorf und warfen Brandbomben, Phosphor-Kanister und Sprengbomben ab. Innerhalb von zwei Stunden ging Deckenpfronn im Feuersturm unter: 10 Tote, 70% der Gebäude zerstört, Vieh und sämtliche Habe verbrannt. Ebenso wurde Oberjettingen größtenteils zerstört. In Nufringen und in Weil im Schönbuch kam es zu Häuserkämpfen. Beschädigungen gab es auch in Mötzingen, Malmsheim und Weissach.
Ende April 1945 war der gesamte Südwesten von den Alliierten besetzt. Südlich der ehemaligen Reichsautobahn Karlsruhe - Ulm standen französische Truppen, der übrige Südwesten, Nordwürttemberg und Nordbaden, war unter amerikanischer Kontrolle. Der Einmarsch der französischen Truppen vollzog sich in den Gemeinden des Kreises vielfach nach gleicher Vorgehensweise: Ausgangssperre, Abgabe von Waffen, Radiogeräten, Photoapparaten, Kleidern und Nahrungsmitteln. Die Bevölkerung war auf eine strikte Einhaltung der Verordnungen bedacht, um sich vor den in anderen Ortschaften wahrgemachten Vergeltungsmaßnahmen wie Geißelnahme und Geißelerschießung (Ehningen, Affstätt), Brandstiftung (Holzgerlinger Rathaus) und Geldstrafen zu schützen. Stellenweise kam es zu Plünderungen. In Bondorf kam es noch im Juni 1945 zu Mißhandlungen und Zwangsarbeit von Einwohnern, nachdem die Franzosen Gräber des ehemaligen KZ Tailfingen entdeckten.
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1945 - 1949
Streit um den Südwest-Staat
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Die unterschiedlichen Interessen der Besatzungsmächte hatten eine Spaltung dieser Gebiete zur Folge. Der Kreis Böblingen gehörte anfangs zur französischen und seit 7. Juli 1945 zur amerikanischen Besatzungszone.
Die Amerikaner im Norden wollten einen schnellen Wiederaufbau von Wirtschaft und Verwaltung., Sie vereinigten daher Nordwürttemberg und Nordbaden bald zu einem neuen Land: Württemberg-Baden. Stuttgart wurde zur Landeshauptstadt bestimmt, Reinhold Maier, letzter württembergischer Wirtschaftsminister vor 1933 und inzwischen Mitglied der neu gegründeten FDP, wurde zum Ministerpräsidenten einer All-Parteien-Regierung berufen.
Die Franzosen im Süden schufen ebenfalls zwei neue Länder: Südbaden und Württemberg-Hohenzollern. Am liebsten wollten die Franzosen ja ihr Württemberg-Hohenzollern bei den Amis gegen Nordbaden eintauschen. So hätten sie die Kontrolle am gesamten Rhein bis nach Karlsruhe gehabt. Doch darauf ließen sich die U.S.-Besatzer nicht ein. Die Franzosen erhielten Südbaden und Württemberg-Hohenzollern als eigenständige Staatsgebilde. In Südbaden wurde 1947 Leo Wohleb zum Staatspräsidenten gewählt. In Württemberg-Hohenzollern amtierte seit 1948 Gebhard Müller von der CDU.
In diesem drei-geteilten Südwesten Deutschlands wurde in den folgenden Jahren erbittert um die Frage eines gemeinsamen "Südwest-Staates" gestritten....
1946 verlangten die Amis die Umwandlung der Besatzungszonen in politische und wirtschaftliche Einheiten. Die Franzosen zögerten noch. Aber die britische Besatzungszone wurde mit der amerikanischen zur sog. "Bizone" zusammengefasst.
Im Juli 1948 (nur wenige Tage nach der Währungsreform) überreichten die westlichen Militärgouverneure den Ministerpräsidenten der Länder die sogenannten "Frankfurter Dokumente". Damit war u.a. auch der Weg geebnet für eine Neugliederung der bestehenden Länder.
Die drei Ministerpräsidenten konnten sich aber nicht einigen, denn der südbadische Leo Wohleb (französische Besatzungszone) wollte dem Plan eines gemeinsamen Südweststaates partout nicht zustimmen. Statt dessen kämpfte er für die Wiederherstellung des alten Landes Baden.
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1949 - 1989
Bildung des Landes Baden-Württemberg,
"Schaffe, schaffe, Häusle baue..."
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1948 erlitt die Dehomag (Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft mbH ) durch die Währungsreform einen Verlust von rund 10 Mio Mark. Der Hauptsitz wird von Berlin nach Sindelfingen verlegt. 1949 wurde aus der Dehomag die IBM, Internationale Büromaschinengesellschaft. Ich bemerke das an dieser Stelle, weil die IBM später eine wichtige Rolle für unsere Region und vor allem für mich spielen wird.
> Hier kannst Du die gesamte IBM-Chronik nachlesen.
1951: Die 3 Ministerpräsidenten konnten sich über die Neugliederung der Länder nicht einigen. Daher sollte nun das Volk entscheiden. Doch selbst über die Ausführung der Volksabstimmung konnte man sich nicht einigen. Die Tübinger Regierung (Gebhard Müller) reichte einen Entwurf ein, nach dem im September eine Volksabstimmung in vier Abstimmungsbezirken durchgeführt werden sollte. Diese nahm der Bundestagsausschuss mit neun gegen sechs Stimmen an. Doch in Freiburg verfolgte Leo Wohleb weiter die Wiederherstellung des alten Landes Baden. Er reichte beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen das Neugliederungsgesetz ein. Vergeblich. Das Gericht lehnte die badische Klage ab und bestimmte als Termin für die Volksabstimmung den 9. Dezember 1951.
Und wie zu erwarten war, stimmten drei der vier Abstimmungsbezirke klar für den Südweststaat. Nur in Südbaden gab es eine Mehrheit für die Wiederherstellung des alten Landes Baden....
Obwohl die CDU bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung am 9. März 1952 die stärkste Fraktion war, konnten die SPD, die Partei der Heimatvertriebenen und die FDP gemeinsam die Regierung übernehmen. So verkündete Reinhold Maier am 25. April 1952 am Rednerpult der Verfassunggebenden Versammlung in Stuttgart die Gründung des Landes Baden-Württemberg mit folgenden Worten:
"Meine sehr verehrten Abgeordneten. Gemäß § 14, Absatz 2, Satz 2 wird hiermit der Zeitpunkt der Bildung der vorläufigen Regierung auf den gegenwärtigen Augenblick, nämlich auf Freitag, den 25. April 1952, zwölf Uhr 30 Minuten festgestellt. Mit dieser Erklärung sind gemäß § 11 des zweiten Neugliederungsgesetzes die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem Bundesland vereinigt."
Erneut klagten die Altbadener beim Bundesverfassungsgericht. Dieses verfügte 1956 eine erneute Abstimmung in Baden. Diese Abstimmung wurde 1970 endlich auch durchgeführt. Und siehe da: Nun stimmten knapp 80% der Südbadener für den Erhalt Baden-Württembergs
1953 fand die Bundestagswahl statt. Diesmal erreichte die CDU in Baden-Württemberg die absolute Mehrheit. Da auch die Beratungen über die neue Verfassung noch nicht zu einem Ergebnis geführt hatten, konnte sich Reinhold Maier nicht länger an der Spitze des Landes halten. Gebhard Müller von der CDU (Ex- Regierungschef von Württemberg-Hohenzollern) wurde neuer Ministerpräsident und brachte die Einigung über die strittigen Verfassungsfragen zustande, so dass im November 1953 endlich die Verfassung des Landes Baden-Württemberg verkündet werden konnte.
Was man heute für undenkbar halten würde: Alle vier im Landtag vertretenen Parteien bildeten bis 1960 gemeinsam die Regierung. Alle??? - Nee! Die vier Abgeordneten der KPD durften die Opposition bilden....
Die Neugliederung brachte genau den wirtschaftlichen Aufschwung, den man sich erhoffte. Baden-Württemberg galt als Vorzeige-Land für den westdeutschen Wiederaufbau-Boom. Die Arbeitslosenquote sank auf ca. 5% und rückläufige Preise brachten auch breiteren Schichten der Bevölkerung zunehmenden Wohlstand.
Bereits 1956 wurde im Fahrzeug- und Maschinenbau wieder der Beschäftigungsstand der Vorkriegszeit erreicht.
1958 löste Kurt Georg Kiesinger den Gebhard Müller an der Regierungsspitze Baden-Württembergs ab. Die wirtschaftliche Lage lockte viele Menschen aus den anderen Bundesländern nach Baden-Württemberg, dazu kamen Gastarbeiter aus Spanien, Portugal und Italien, später dann auch aus der Türkei. Insgesamt nahm die Bevölkerung Baden-Württembergs seit 1950 fast doppelt so stark zu wie im gesamten Bundesgebiet....
Böblingen wurde 1962 mit über 25 000 Einwohnern zur großen Kreisstadt. Im Kreis Böblingen überwog der Fahrzeugbau und der Stahl - und Maschinenbau. Von der Zentralisierung im industriellen Bereich profitierten wenige Orte wie Böblingen und Sindelfingen, die zu industriellen Ballungszentren (mit entsprechenden Steuereinnahmen) wurden, während ein Großteil der Orte des Kreises zu reinen ?Schlafdörfern? degradiert wurde. Gleichzeitig nahm die Zahl der Pendler im Kreis ständig zu und verschärfte die Verkehrssituation.
Zwischenzeitlich, 1966 wurde Kiesinger Bundeskanzler und Hans Filbinger führte die Koalition in Baden-Württemberg fort. Allerdings ohne die FDP.
Nach Eingliederung des Nachbarortes Dagersheim 1971 wuchs die Population von Böblingen auf 40 000 Leute an. Auch Magstadt wuchs stark an und wurde modernisiert. 1975 überschritt die Einwohnerzahl Magstadt's bereits die 8 000er Marke. Die Vielfalt an industriellen Branchen nahm stetig zu. Mit dem rasanten Wachstum des Fahrzeugbaus und vor allem der Computerbranche ist jedoch ein Rückgang alter industrieller Bereiche, wie z.B. der Textilindustrie verbunden, die die Lohn- und Gehaltssteigerungen der 70er und 80er Jahre nicht auffangen konnten.
1978 wurde Lothar Späth Nachfolger von Hans Filbinger. Sein erklärtes Ziel war es, Baden-Württemberg zu einem "High-Tech-Land" zu machen. In der Region Stuttgart ließen sich weitere Unternehmen des Hochtechnologiesektors nieder. Die südlichen Gebiete, die bislang eher der Landwirtschaft dienten, wurden wirtschaftlich und verkehrstechnisch mit den Zentren verbunden. Führenden Branchen wurden nun Maschinenbau, Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik. Späth bemühte sich auch, die neuen osteuropäischen Märkte für Baden-Württemberg zu öffnen: 1988 traf er sich in Moskau mit Michael Gorbatschow, wenig später war Gorbatschow zu Gast in Stuttgart.
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Der Einzug der Elektronik hat sowohl die Industriekultur als auch die Arbeitsplätze verändert. Umstrukturierungen in der Lager- und Produktionstechnik, "Just-in-time-Produktion", haben viele Zulieferer im Kreis Böblingen ansiedeln lassen. Diese Zuliefererbetriebe, aber auch Klein- und Mittelbetriebe anderer Branchen haben die Orte des Kreises verändert. Nicht zuletzt durch die hohen Grundstückspreise der Ballungszentren haben sie sich in vielen Orten des Kreises angesiedelt. Diese Tatsache, verbunden mit der im Ort geschaffenen Kaufkraft, sowie die Rückbesinnung der inzwischen bevölkerungsmäßig stark angewachsenen Dörfer auf die eigene Geschichte (Ortskernsanierungen, Heimatmuseen, Ortschroniken) hat die Orte aus dem , Schlafdasein gerissen und wieder eine Eigenständigkeit kommunalen Lebens herbeigeführt. Dies wird verstärkt durch die Bevölkerungsentwicklung hinsichtlich älterer Mitbürger, sowie der oben angesprochenen Verkehrsentwicklung, die einen immer größer werdenden Bestand an Kraftfahrzeugen im Kreis ausgelöst hat. Die starke Bedeutung des Fahrzeugbaus und der Elektronik im Kreis Böblingen beinhaltet in Zeiten des Wachstums nicht nur einen gewissen Wohlstand im Kreis Böblingen, sondern bedingt auch eine erhöhte Krisenanfälligkeit durch die Abhängigkeit von diesen Branchen in Zeiten der Rezession.
Nachfolger von Lothar Späth wurde der langjährige CDU-Fraktionsvorsitzende Erwin Teufel. Nach den Landtagswahlen 1992 bildete er eine Große Koalition mit der SPD, die nur bis 1996 hielt. Seitdem regiert die CDU unter Ministerpräsident Teufel wieder zusammen mit der FDP.
Die ersten Jahre von Teufels Regierung waren geprägt von einer bundesweit wirksamen strukturellen wirtschaftlichen Krise, die nicht nur Baden-Württemberg erfasste. Unter dem Motto "Sparen und Investieren" schaffte es Teufel, im Landeshaushalt eine Summe von 25 Milliarden Mark einzusparen und gleichzeitig weiter in Forschung und Bildung zu investieren. Neue Lehrerstellen wurden geschaffen, die Studienplätze für zukünftige Informatiker um 40% erhöht. Zudem wurde die Einführung des "Turbo-Gymnasiums" beschlossen, das in nunmehr acht Jahren zum Abitur führen soll.... .
Die Rezession der 90er Jahre bedeutete nicht nur einen Abbau von Arbeitsplätzen (Rationalisierung: Ersatz von manueller Arbeit durch Roboter), sondern auch einen Generationenwechsel der Beschäftigten (Frühverrentung durch Vorruhestandsregelung).
Unter Erwin Teufel konnte Baden-Württemberg seine wirtschaftliche Spitzenstellung weiter ausbauen. Bei den Landtagswahlen 2001 erreichte die CDU fast 45%. Mit der FDP war man sich schnell über eine Fortführung der Koalition einig. Einen Namen machte sich Teufel auch durch strukturelle Reformen im Banken-, Rundfunk- und Energiesektor. Ihm gelang es, den Süddeutschen Rundfunk und den Südwestfunk zum Südwestrundfunk zu vereinigen, aus drei verschiedenen Landesbanken wurde die Landesbank Baden-Württemberg. Und das schwäbische Stromunternehmen EVS fusionierte schließlich mit dem Badenwerk zur EnBW, der Energie Baden-Württemberg.
Zusammenlegung und strukturelle Reformen bedeuten aber nichts anderses, als Steigerung der Effizienz und/oder Einsparungen. Die Rezession der 90er setzte sich also auch im neuen Jahrtausend fort, bis sie auch unsere Familie erreichte. Zum 31.12.2007 schloss Jörgs Brötchengeber NXP-Böblingen die Pforten, Aber das ist eine ganz eigene Geschichte: IBM > SMST > Philips > NXP > TQG > ALG. Die Böblinger Ratsherren lassen sich dadurch aber nicht entmutigen. Sie haben ja das neue Projekt "Flugfeld".
Wir aber haben den Arbeitsplatzverlust, die negative Tendenz und die Ohnmacht der Politiker zum Anlass genommen, diese Region zu verlassen. Daher werden wir die Geschichtsschreibung an dieser Stelle nicht fortsetzen.
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